Werk von Pedro Cabrita Reis Lichtzeichen für Vordemberge-Gildewart in Osnabrück


Osabrück. Was zeigt die Ausstellung „Konkret mehr Raum“ ab 13. Juni 2015 in der Kunsthalle Osnabrück? Unter anderem eine Außeninstallation von Pedro Cabrita Reis.

Die Lichtinstallation des 1956 in Lissabon geborenen Künstlers kann schon jetzt als Höhepunkt des Ausstellungsprojektes gesehen werden. Der portugiesische Installationskünstler Pedro Cabrita Reis gehört zu den Stars des internationalen Ausstellungsbetriebes, der unter anderem auf der Documenta 9 von 1992 und bei der Biennale von Venedig 1995, 1997, 2003 und 2013 präsent war. Für die Kunsthalle in Osnabrück hat er „The Gildewart Line“ vorgeschlagen, eine Lichtinstallation, die die Konturen des Kirchenbaus nachzeichnet, in ihrer strengen und minimalistischen Form aber auch auf das Erbe des in Osnabrück geborenen Konstruktivisten Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899-1962) verweist. Das Geburtshaus Vordemberge-Gildewarts befindet sich in unmittelbarer Nähe der Kunsthalle.

Was hat „Konkret mehr Raum“ noch im Programm? Zum Beispiel die „Farbabstimmung“ von Rüdiger Stanko. Hier der Bericht.

Reis hat seinen Entwurf in der Form einer Postkarte entwickelt. Auf das Foto des Ausstellungshauses hat er in wenigen Linien den Verlauf seiner Lichtinstallation eingezeichnet. Auf dem Foto ist vor der Kunsthalle das Banner mit dem Verweis auf das Kunstformat „24/7“ zu sehen. Darin steckt ein dezenter Hinweis auf die lange Vorbereitungszeit für das Ausstellungsprojekt „Konkret mehr Raum“. Im Juni 2014 war das Ausstellungshaus eine Woche lang rund um die Uhr für jedermann geöffnet. Im Verlauf dieser Woche war das Haus Schauplatz spontaner Ausstellungen, Lesungen und Performances sowie der ersten Ausgabe des Diskussionsformats „Drei Fragen an Julia Draganovic“. Danach wurde die Kunsthalle für einen längeren Umbau geschlossen.

Worum ging es in der Gesprächsreihe „Drei Fragen an Julia Draganovic“ in der Kunsthalle Osnabrück? Lesen Sie hier den Auftaktbericht.

Pedro Cabrita Reis weist seine Installation ausdrücklich als Hommage an Vordemberge-Gildewart aus. Diese Arbeit wird das Programm des Projektes „Konkret mehr Raum“ nach außen sichtbar verklammern. Die Kuratorinnen Julia Draganovic, Elisabeth Lumme und Valerie Schwindt-Kleveman planen einen Kunstparcours, der künstlerische Beiträge in der Kunsthalle Osnabrück, im Kulturgeschichtlichen Museum, dem Felix-Nussbaum-Haus und im Außenraum vorsieht. Pedro Cabrita Reis´ Beitrag wird dabei einen prominenten Platz einnehmen. Das Kunstprojekt bezieht sich unter anderem auf die Kunst von Friedrich Vordemberge-Gildewart als einem Hauptvertreter des konstruktiven und konkreten Kunst im 20. Jahrhundert.

Der Portugiese Pedro Cabrita Reis gehört zu den wichtigsten Objekt- und Installationskünstlern. Mit seiner Installation „The Ennemies“ war er auch an dem Skulpturenprojekt „Colossal“ zum 2000. Jahrestag der Varusschlacht im Jahr 2009 beteiligt. Unter der künstlerischen Leitung von Jan Hoet hatten internationale Künstler seinerzeit Kunstprojekte zum Thema Geschichte und Erinnerung im Osnabrücker Land installiert. Reis´Installation bestand aus zwei jeweils zwölf Meter hohen, stilisierten Wachtürmen, die den Konflikt zweier Kriegsparteien symbolisieren sollten. „The Ennemies“ wurde nach Ablauf der Ausstellung 2011 wieder demontiert. Pedro Cabrita Reis ist derzeit mit einem Werk auch in der Ausstellung „(un)möglich! Künstler als Architekten“ im Museum Marta in Herford vertreten. Die Ausstellung läuft noch bis zum 31. Mai 2015.

Der Ausstellungsmacher Jan Hoet, der auch „Colossal“ im Osnabrücker Land kuratierte, ist 2014 verstorben. Lesen Sie hier den Nachruf auf den legendären Kurator.


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