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19.05.2015, 16:23 Uhr STREIT UM HASSPREDIGER-VORWURF

Dieter Nuhr und Erhat Toka: Überraschend unsouverän

Kommentar von Burkhard Ewert

Kontrahenten vor Gericht: Dieter Nuhr konnte sich nur mit einem Teil seiner Klage durchsetzen. Foto: dpaKontrahenten vor Gericht: Dieter Nuhr konnte sich nur mit einem Teil seiner Klage durchsetzen. Foto: dpa

Osnabrück. Da haben sich zwei ineinander verhakt. Erhat Toka, der blitzgescheite, aber verbohrte Freizeit-Provokateur aus Osnabrück, und Dieter Nuhr, der hoch dekorierte Komiker, der bei Angriffen auf sich und seine Kunst keinen Spaß versteht.

Der Streit schärft den Sinn dafür, was in Deutschland erlaubt ist und erlaubt sein muss: Zugespitzte Religionskritik nämlich, wie Dieter Nuhr sie durchaus mit Mut und Verdiensten übt – und zugleich scharfzüngige Kritik an ihm, der sein Unbehagen über den Islam ja auch abseits von Satire und Bühne mit nicht nur ätzendem, sondern auch verächtlichem Zungenschlag zu verbreiten weiß.

War Erhat Toka als streitlustiger Geselle bekannt, überrascht die Vehemenz beim präzise kalkulierenden Publikumsliebling Dieter Nuhr. Selbst beschimpft er Erhat Toka als Salafist, verträgt aber die Titulierung als Hassprediger nicht. Angeblich mag er Erhat Toka keine Aufmerksamkeit verschaffen, strengt aber ein öffentliches Verfahren an. Auch die Freiheit der Kunst bis an die Grenzen auszuloten, aber zugleich anderen die freie Rede streitig zu machen, ist erstaunlich unsouverän.