Ausstellung startet am 13. Juni 2015 „konkret mehr raum“: Rüdiger Stanko fragt das Publikum


Osnabrück. Jetzt stimmt das Publikum über Kunst ab: Für die Ausstellung „konkret mehr raum“ in der Kunsthalle Osnabrück hat Rüdiger Stanko seine „Farbbefragung“ gestartet.

Noch rund eine Woche lang können Besucherinnen und Besucher in der Kunsthalle Osnabrück und im Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus über die Gestaltung des Kunstwerkes von Stanko abstimmen. Der Künstler hat an beiden Orten Tische mit Farbmustern aufgestellt. Besucher können dort für ihre Farbe der Wahl votieren. Nach dem Maß der Zustimmung richtet sich die Breite des jeweiligen Farbstreifens am künftigen Gemeinschaftskunstwerk. Rüdiger Stanko plant ein Objekt in Gestalt einer farbig gestreiften Litfaßsäule auf dem Grünstreifen vor der Kunsthalle. Das Werk soll mit seinem Muster die „Farben der Zukunft“ repräsentieren. Die Teilnehmer der Zukunft erhalten eine Postkarte mit dem Farbcode.

Der Künstler Michael Beutler hat die Kunsthalle Osnabrück neu gestaltet. Seine aktuelle Ausstellung läuft im Hamburger Bahnhof in Berlin. Lesen Sie hier die Kritik.

Gibt es damit in Osnabrück Quotenkunst? Rüdiger Stanko überlässt in der Tat dem Publikum die Möglichkeit, in die Gestalt der Farbskala seiner Arbeit einzugreifen. Aber was sagt das zufällig entstandene Muster über Kunst und Zukunft aus? Natürlich nicht viel. Stanko spielt insofern ironisch mit Modellen der Mitbestimmung und des öffentlichen Votums, deren Einfluss auf Kunst immer nur marginal sein kann. Stanko ironisiert allerdings nicht nur ein öffentliches Votum, er treibt auch sein Spiel mit der abstrakten, sich objektiv und unnahbar gebenden Konkreten Kunst. Denn das Farbdesign der Säule täuscht eine freie Entscheidung des Künstlers vor, gibt sich aber nicht als das zu erkennen, was sie eigentlich ist - Resultat von Zufall und Willkür.

Was ist eigentlich noch bis zum 25. Mai 2015 in der Kunsthalle Osnabrück zu sehen? Die Ausstellung „Irony“ des European Media Art Festival. Lesen Sie hier die Kritik.

Rüdiger Stankos Arbeit ist einer von 14 Positionen der Ausstellung „konkret mehr raum“. Vom 13. Juni bis zum 13. September 2015 werden Plastiken, Objekte und Installationen gezeigt, die die drei Kuratorinnen Elisabeth Lumme, Valerie Schwindt-Kleveman und Julia Draganovic als künstlerischen „Denkraum“ in der Stadt verstanden wissen wollen. Sie präsentieren die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler in der Kunsthalle, im Felix-Nussbaum-Haus und im Kulturgeschichtlichen Museum, alle in Osnabrück. Die beteiligten Künstler - unter ihnen finden sich zum Beispiel neben Rüdiger Stanko auch Pedro Cabrita Reis und Susanne Tunn - beziehen sich mit ihren künstlerischen Interventionen auf die Ausstellungsräume und den öffentlichen Raum.

Osnabrück feierte zuletzt das Vordemberge-Gildewart-Jahr. Dabei gab es auch Kunst von „VG“ im Kulturgeschichtlichen Museum zu sehen. Hier der Bericht.

Die kunstgeschichtliche und ideelle Fluchtlinie des Projekts weist auf den in Osnabrück geborenen Konstrutkivisten Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899-1961). Der Künstler hatte die konstruktive und konkrete Kunst des 20. Jahrhunderts wesentlich mit geprägt. Das aktuelle Ausstellungsprojekt soll die Formensprache von „VG“ in die Gegenwart fortführen und mit neuen künstlerischen Vorstellungen konfrontieren. Zudem soll deutlich werden, wie Konkrete Kunst Vorstellungen von Gestaltung. Design und Stadtplanung beeinflusst hat. Dazu gibt es auch Installationen in Msueumsräumen, unter anderem in dem „VG-Raum“ im Felix-Nussbaum-Haus.

Info: www.konkret-mehr-raum.de


0 Kommentare