Serie über Osnabrücker Chöre Der Deutsch-französische Chor: Lieder als „Maßanfertigung“

Hier zählt Artikulation besonders: Thomas Hitzemann probt mit dem Deutsch-französischen Chor.Foto: HehmannHier zählt Artikulation besonders: Thomas Hitzemann probt mit dem Deutsch-französischen Chor.Foto: Hehmann

Osnabrück. „J´aime le chocolat“ singen 35 Männer und Frauen voller Begeisterung. Offenbar gibt es im Deutsch Französischen Chor Osnabrück viele Schokoladenliebhaber, denn als die Mitglieder das Lied von einem befreundeten Chor in Osnabrücks französischer Partnerstadt Angers hörten, wollten sie unbedingt wissen, was das sei. Prompt bekamen sie die Noten für „J´aime le chocolat“ als Geschenk mit auf den Weg zurück nach Osnabrück. Und seither gehört es zum festen Repertoire des Chores.

Es ist ein spezieller Chor, der seit sechs Jahren im Ratsgymnasium probt. Die Initiative zur Gründung geht auf Peter Schmidt und Thomas Hitzemann zurück. Schmidt war damals Vorsitzender der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) in Osnabrück. Er und Musiklehrer Hitzemann waren der Meinung, dass ein Chor, der überwiegend französische Lieder singt, sich gut machen würde. Die Resonanz war tatsächlich groß, es meldeten sich mehr als 30 Interessenten und über zwei Drittel der ersten Garde sind auch heute noch dabei.

„Wir haben vier gebürtige Franzosen im Chor und singen zu 90 Prozent Lieder in französischer Sprache“, erklärt Chorleiter Hitzemann. Sein Job ist nicht einfach, denn oft muss er die Chansons, die Renaissancelieder, die alten und neuen Volkslieder und Klassiker selbst arrangieren. „Englische Literatur gibt es zur Genüge, aber Noten von französischen Lieder mit Chorarrangement so gut wie gar nicht“, sagt er. Da die Mehrzahl der Chormitglieder Frauen sind, kann er auch nur zwei- bis dreistimmig arrangieren, sodass der überwiegende Anteil des Repertoires aus seinen „Maßanfertigungen“ besteht.

Die sind häufig bei öffentlichen Auftritten zu hören, denn der Chor ist schon in der Osnabrückhalle, im Rathaus oder bei einem Chortreffen in Osnabrücks niederländischer Partnerstadt Haarlem aufgetreten. Apropos Partnerstadt: Ganz eng ist die Freundschaft zu dem Chor „La Corentine“ aus Angers. Regelmäßige gegenseitige Besuche haben die beiden Ensembles zusammengeschmiedet. „Als wir im vergangenen Jahr dort waren, sind wir alle in den Familien der Chorsänger untergekommen“, erzählt Christoph Katz. Durch Zufall wohnte der begeisterte Marathonläufer bei einem Paar, das demselben Hobby frönt und ihm sogar ein Trikot zum Laufen leihen konnte: „Die beiden waren älter als ich, aber schneller“, so Katz. In diesem Jahr zu Christi Himmelfahrt kommen die Franzosen zu Besuch nach Osnabrück.

Da sie aus der Partnerstadt kommen, ist die Zusammenarbeit mit den Städtebotschafterinnen nahe liegend. So ist Verena Stenzel, die 2013 bis 2014 als Botschafterin in Angers war, mittlerweile im Chor aktiv – und hat gleich auch ihren Freund mitgebracht. Sogar Marie-Océane Vignaud, zurzeit hier als Städtebotschafterin, singt mit: „Ich habe gerade den 2. Deutsch-Französischen Begegnungsabend im Spitzboden der Lagerhalle organisiert. Da tritt der Chor am 9. Juni auf“, sagt sie, und probt zusammen mit den anderen ein herrliches Trinklied aus dem Jahr 1530: „Tourdion“ beschreibt den säuseligen Zustand im Kopf nach ein paar Gläsern Rotwein.. Wer mitsingen will: Schnuppern (vor allem für Männer) erlaubt. Man sollte ein wenig französisch sprechen können.

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