Parzinger zum Handel mit Kulturgut „Illegal ausgegrabene Objekte beschlagnahmen“


Berlin. Was kann gegen den Handel mit illegalem Kulturgut getan werden? Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, antwortet im Interview.

In Syrien und im Irak werden Kulturstätten zerstört. Welche Rolle kann die Stiftung Preußischer Kulturbesitz spielen, wenn die Zeit der Konflikte in dieser Region vorüber ist?

Die Kulturverluste sind leider nicht reversibel. Die Bilder etwa von der Sprengung des königlichen Palastes in Nimrud sind unsäglich. Schon seit Jahren bilden wir Restauratoren aus und liefern Materialien, die man dort für die Verwahrung der Kulturschätze braucht. Der Kontakt zu den Behörden in diesen Ländern ist zum Glück sehr gut. Derzeit digitalisieren wir Informationen über Fundstätten in Syrien, also Pläne, Aufzeichnungen und dergleichen mehr. Diese Informationen stehen dann sofort zur Verfügung, wenn die Bestandsaufnahme eines hoffentlich nicht mehr so fernen Tages möglich sein wird.

Was kann die deutsche Politik tun, um bei diesen Themen zu helfen?

Wir sprechen intensiv mit der deutschen Politik. Die Gesetzgebung zur Rückgabe von Kulturgütern wird gerade novelliert. Kulturstaatsministerin Monika Grütters und das Auswärtige Amt setzen sich glückerlicherweise dafür ein, die Bestimmungen zu verschärfen, so dass illegal ausgegrabene Objekte, auf die wir in Deutschland stoßen, auch beschlagnahmt und zurückgegeben werden können. Die Stiftung hat zudem ein Projekt zur Dunkelfeldforschung begonnen. Dabei geht es darum, die Netzwerke des illegalen Handels mit Kulturgütern näher zu erforschen. Wir wollen die Informationen zusammentragen, damit die Behörden dann entsprechende Präventionsmaßnahmen treffen können.

Gibt es Ihrer Meinung nach überhaupt noch einen legalen Handel mit archäologischen Objekten?

Die Gesetzgebung wird darauf hinzielen, dass nur noch gehandelt werden darf, was einen Herkunftsnachweis und eine Ausfuhrgenehmigung aus dem jeweiligen Ursprungsland aufweist, nicht aus Drittländern. Hinzu werden umfängliche Sorgfaltspflichten und Selbstverpflichtungen des Antikenhandels kommen. Eine solche Regelung wäre schon eine große Hilfe zur Eindämmung des illegalen Handels. Große Probleme stellen auch die Grenzkontrollen dar. So wissen wir, dass die Grenze zwischen Syrien und der Türkei sehr offen für den Schmuggel von Kulturgütern ist. Doch auch bei uns müssen wir Zoll und Polizei besser schulen. Das gilt aber auch für Touristen, es geht um Bewusstseinsbildung. Wer heute mit einem Elefantenstoßzahn aus Afrika bei der Einreise nach Deutschland erwischt wird, bekommt ein ziemliches Problem. Genau so muss es sein, wenn jemand ein antikes Objekt im Gepäck hat, weil es nur aus einer Raubgrabung kommen kann. Die Menschen müssen wissen, dass sie mit dem Kauf solcher Antiken die Zerstörung von Kulturgut befördern.


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