Klassenvorspiel bei Euregio Pianistin Ewa Kupiec und Studenten begeistern im Ruller Haus

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Die polnische Pianistin Ewa Kupiec. Foto: Hermann PentermannDie polnische Pianistin Ewa Kupiec. Foto: Hermann Pentermann

Wallenhorst. Wer sich mit klassischen Pianisten auskennt, hat von Ewa Kupiec schon gehört. Die vier anderen Pianisten des Euregio-Konzerts im Ruller Haus dagegen sind auch Experten kein Begriff – bisher jedenfalls.

Kupiec hat vier ihrer Studenten von der Musikhochschule Hannover ausgewählt und mit ihnen ein auswärtiges Klassenvorspiel absolviert.

Die Professorin selbst eröffnet mit Schubert: langsam und gewichtig, ein ernster, vergrübelter, schwermütiger Schubert, bald sanft, bald hart akzentuiert, jedenfalls kein Standard. Ewa Kupiec wirkt dabei am Flügel seltsam entrückt.

Einen ausgesprochen souveränen Eindruck an den Tasten macht dagegen trotz ihrer jungen Jahre Mihyun Ahn mit drei Stücken von Chopin. Sehr elegant, sehr geläufig, alles entwickelt sich ganz natürlich. Ihr Vortrag ist allerdings deutlich glatter als der ihrer Professorin.

Schagajegh Nosrati tritt an mit Bach, der sie laut ihrer Vita immer wieder beschäftigt. Die chromatische Fantasie und Fuge spielt sie impulsiv, frei im Tempo, durchaus mit Pedal. Eine weitere Fantasie schließt sich an: Skrjabins op. 28 in einer klanglich massigen Interpretation und ebenso flexiblem Tempo. Schon die ersten Takte von Beethovens „Les Adieux“-Sonate wollen bei David Jae-Won Huh so expressiv sein wie nur möglich, daher dehnt er das Tempo gehörig. Auch im zweiten Satz wird jeder Akkord ausgekostet. Die raschen Sätze kommen dafür ziemlich flott daher, und David Jae-Won Huh donnert auch ganz schön in die Tasten. Natürlich erst recht bei Liszt, bei dessen erstem Mephisto Walzer er das erwartete Tastenfeuerwerk brillant zündet.

Der anspruchsvollste und spannendste Beitrag des Abends ist der von Yi Li Liang. Er hat einen sehr selten gespielten Komponisten ausgewählt: Karol Szymanowski. Dessen dreisätzige „Masken“ von 1916 bieten ihm die Gelegenheit zu Klangzauber und großer Expressivität in einer Musik voller Dissonanzen, Zerrissenheit und jäher Kontraste. Immer neue Schattierungen und enorme Stimmungswechsel bis hin zur Brutalität verwirklicht er, nebenbei verlangt auch diese Musik ausgesprochen akrobatische Finger. Die unglaublich komplexe Struktur bewältigt er mit absoluter Bravour.


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