Ein Bild von Joachim Schmitz
02.05.2015, 07:11 Uhr KOLUMNE

Zeigen Gourmet-Restaurants Naschkatzen die rote Karte?

Von Joachim Schmitz

Gleich wird‘s spannend: Nascht hier etwa jemand vom Teller des anderen? Foto: Imago/BrunnthalerGleich wird‘s spannend: Nascht hier etwa jemand vom Teller des anderen? Foto: Imago/Brunnthaler

Osnabrück. In unserer wöchentlichen Kolumne „Silberblick“ berichtet die Kulturredaktion über mehr oder weniger skurrile Beobachtungen aus Alltag und dem Kulturleben. In dieser Woche: Immer wieder hört man, dass Gourmet-Restaurants Gästen die rote Karte zeigen, weil sie sich gegenseitig vom Teller haben probieren lassen.

Jeder kennt eigentlich einen, der einen kennt, der das schon mal erlebt hat, ganz gleich, ob in Hamburg, Osnabrück oder München: Gehen zwei Menschen in einem Sterne-Restaurant essen, beiden schmeckt’s großartig, natürlich lässt der eine den anderen mal probieren und dann das: Beim Verlassen des Gourmet-Tempels bekommen sie ein kleines Abschiedspräsent und dazu einen dezenten schriftlichen Hinweis: „Bitte beehren Sie uns nicht wieder.“ Wussten wir’s doch: Diese selbstverliebten Trüffelschweine, nach deren Mahlzeiten wir zum Sattwerden noch in die Pommesbude müssen, demütigen uns mit ihrer hochnäsigen Dekadenz dafür, dass wir den Partner von unserem Gäbelchen naschen lassen. Und streuen auch noch das Gerücht, diese Geschichten seien alle frei erfunden. Nur weil sich noch niemand gemeldet hat, der sie tatsächlich beweisen könnte. (Weiterlesen: La-Vie-Chef Bühner wehrt sich gegen Lügen)

Dabei ist alles noch viel schlimmer, das Lokalverbot nur die mildeste Strafe fürs Naschen-Lassen. Jetzt kommt die ganze furchtbare Wahrheit ans Licht: Ich zumindest kenne einen, der einen kennt, der absolut zuverlässig Folgendes berichtet hat: In einem Sterne-Restaurant am Rhein wurde das junge Paar Mandy und Kevin P. aus D. einem grausamen Red-Wine-Boarding unterzogen, nachdem sie gegenseitig von ihren Tellerchen probiert hatten. Und im Keller der edlen Gaststube des saarländischen Spitzenkochs Vincenz v.d.V. ketteten Kellner das Rentnerpaar Alois und Hertha B. aus C. an eine historische Gulaschkanone, nur weil sie es gewagt hatten, sich gegenseitig ihre Köstlichkeiten in den Mund zu schieben.

Vorsicht also, wenn Sie das nächste Mal Sterne essen gehen. Mieten Sie sich am besten einen Bodyguard. Und lassen Sie sich von ihrer Begleitung erst zu Hause vernaschen.

(Lesen Sie auch: Sterben Vornamen wie Gabriele und Joachim bald aus?)