Grenzen überwachen vom Sofa aus? Subversiv: European Border Watch Organisation war eine EMAF-Aktion

Darf man das? Georg Klein (r.) stößt bei einer Demo gegen die EU-Flüchtlingspolitik auf Unverständnis. Foto: Tom BullmannDarf man das? Georg Klein (r.) stößt bei einer Demo gegen die EU-Flüchtlingspolitik auf Unverständnis. Foto: Tom Bullmann

Osnabrück. Ziemlich verstört hat die „European Border Watch Organisation“, die in dieser Woche im BBK-Kunstquartier Werbung für sich gemacht hat. Man könne die Grenzen nach Europa vom Sofa aus überwachen, versprach das Projekt. Doch das ganze war eine Kunstaktion des EMAF.

Wie weit darf Ironie gehen? Für manch einen Osnabrücker Bürger ging die Aktion der „ European Border Watch Organisation (EUBW) “ offenbar zu weit. In der Bierstraße hatte die EUBW-Initiative ein Büro eröffnet, in dem man sich zur „Border Control“ registrieren lassen konnte. Das bedeutete, dass man ein Überwachungsgebiet (zum Beispiel das Mittelmeer oder die Ostgrenze zur Ukraine und Rumänien) zugeteilt bekam, um per Computer und Satellitengesteuerter Web-Kamera vom Sofa aus illegale Einwanderung zu verhindern.

Dass es sich um ein Kunstprojekt im Rahmen des EMAF handelte, witterten nur wenige. Medienkünstler Georg Klein hatte 2007 die EUBW gegründet und war bereits 2011 beim EMAF zu Gast, um mittels subversiver Kunst auf die Flüchtlingsproblematik aufmerksam zu machen.

Sein „Registrierungsbüro“ wurde im BBK-Kunstquartier in der Bierstraße eröffnet. Was das Kunstquartier sonst so zeigt? Hier lesen Sie es. Die Reaktionen von Passanten waren sehr unterschiedlich. Empörte Bürger, die die Aktion ernst nahmen, mussten sich zügeln, keine Steine in die Schaufenster zu werfen. Andere riefen bei der Stadt an, um zu erfahren, was es mit dem Büro auf sich hat. Andererseits spricht Klein auch von Interessenten, die sich tatsächlich an seiner Aktion beteiligen wollten. „Nicht aus rassistischen, sondern aus Sicherheitsgründen“, postete ein Interessent.

Als tragische Ironie muss man bezeichnen, dass die Aktion durch die Katastrophen im Mittelmeer brisante Aktualität erlangte. So stieß sie bei Demonstranten , die am Samstag gegen die Flüchtlingspolitik von Regierung und EU auf die Straße gegangen waren und am EUBW-Büro vorbeizogen, auf pures Missverständnis. „Auch wenn das eine Kunstaktion ist: So darf man das nicht machen. Die Leute verstehen das nicht“, sagte eine aufgebrachte Demonstrantin. Absichtlich hatte Klein die Öffentlichkeit über seine Intention im Unklaren gelassen.

„Natürlich war das politisch nicht korrekt. Aber Kunst muss anecken“, sagt Georg Klein. Vom EMAF wurde sein Projekt mit dem „Dialogue Award“ ausgezeichnet, weil er die Menschen „herausfordert, seine eigene Argumentation zu überprüfen und wachsam gegenüber rechtsgerichteter Bauernfängerei zu sein“.


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