Mister Sercurity Christoph Faulhaber über den Film „Jedes Bild ist ein leeres Bild“

Von Daniel Benedict


Osnabrück. Christoph Faulhaber hält sich für einen unpolitischen Künstler. Das FBI sieht das anders und führt ihn auf einer Verdachtsliste. Beim EMAF zeigt er seinen Film „Jedes Bild ist ein leeres Bild“.

„Wir leben in einer Welt der Bilder, in Selbstreflexion erstarrt. Wir ertrinken im Abgrund des Oberflächlichen.“ Es sind profunde Gedanken, die dem Helden des Computerspiels „Grand Theft Auto“ (GTA) durch den Kopf gehen – und so berechtigte! Denn das New York, durch das sein Auto gleitet, gleicht dem von Scorseses Film „Taxi Driver“ . Der GTA-Held lebt in einer Bilderschleife, der Faulhaber noch eine weitere Windung hinzufügt. Denn die Bildtheorie der Computerfigur ist in Wahrheit seine. In seinem Film „Jedes Bild ist ein leeres Bild“ kombiniert er sie mit den Bildern des Videospiels und macht den Game-Charakter so zu seinem Alter Ego. (Das Faulhaber-Interview in voller Länge: Hier geht‘s zum Wortlaut.)

Darf Christoph Faulhaber das?

Darf man das? Diese Frage stellt sich immer wieder bei den Arbeiten, die Faulhabers Film Revue passieren lässt. Als selbst ernannter Security-Mann hat er beispielsweise US-Botschaften fotografiert – trotz Verbotsschilds. „Das sieht aus wie ein Verkehrszeichen. Aber natürlich taucht es in StVO nicht auf. Es hat auch sonst keine Rechtsgrundlage“, sagt Faulhaber Um überhaupt gegen ihn vorgehen zu können, sagt er, musste die Polizisten vor der Botschaft das Recht am eigenen Bild geltend machen . „Es ist alles legal, was ich mache.“ Auch wenn man da vorher nie ganz sicher ist. Denn Faulhaber guckt über den Zaun der BND-Baustelle, er fährt mit dem Auto durch ein blühendes Rapsfeld und plakatiert wild Repros von Ölgemälden, die er nach Fotos von Guantánamo-Opfern hat anfertigen lassen.

Betteln im Burberry-Look

Kein Wunder, dass der in Osnabrück geborene Künstler als politisch gilt. Nicht nur der Kritik, sondern auch dem FBI, das ihn seit den legalen Botschaftsfotos auf einer Verdachtsliste führt. Seinen Aufenthalt in einem New Yorker Künstlerhaus musste er abbrechen, nachdem die Beamten ihn befragt hatten. Faulhaber hält das für ein Missverständnis: „Das erstaunt alle, aber ich sehe mich eher als unpolitischen Künstler“, sagt er und erklärt es am Beispiel einer frühen Aktion. Aus einem Stoff mit dem Karo-Muster der Edelmarke Burberry hat er sich einen Anzug gemacht und darin vor Burberry-Geschäften gebettelt – bis die Polizei kam. Für Faulhaber sind daran zwei Dinge wichtig: das Bild und der öffentliche Raum. (EMAF: Was taugt die Ausstellung?)

Einerseits, sagt er, ist das Karo-Muster ein grafisches Werk, und als solches nicht weit entfernt von Mondrian. Andererseits ist es durch die Marke Burberry aufgeladen mit Bedeutung. „Ich wollte dann den Kurzschluss herstellen und gucken: Was macht es mit dem Muster, was macht es mit den Konsumenten, wenn es ganz unten ankommt?“, sagt der 42-Jährige. „Da liegt meine Arbeit begründet: im öffentlichen Raum, mit seiner Durchdringung vom Privatem und Öffentlichem, mit der Codierung durch Marken und Moden und mit Menschen, die sich dazu verhalten müssen.“

Faulhaber sieht den öffentlichen Raum als übervolle Rumpelkammer der Bedeutungsträger. Der Buchsbaum, die Platane vor seinem Fenster sind nicht mehr Natur, sondern „eine Summe von Konzepten, Züchtungen und Schmuckformen“. In dieser Welt der aufgedrängten Botschaften sieht Faulhaber sich als eine Art Hausbesetzer; er steigt in das Gedankengebäude aus sozialen Codes ein und reklamiert darin seine Bewegungsfreiheit. Wenn er die Wachpolizisten vor der US-Vertretung dazu zwingt, ihm die Kamera abzunehmen, geht es ihm nicht um Sicherheitsterror und Überwachung. Er will, sagt er, nur eine Situation herstellen, in der alle „ausweglos in ihrer Rolle stecken und ihre Hilflosigkeit ausspielen“. (Weiterlesen: Ironie auf dem EMAF – was heißt denn das?)

Warum Grand Theft Auto?

Es hat Methode, wenn Faulhaber für seinen Film nun ins virtuelle Auto des „Grand Theft Auto“-Charakters steigt. Seine Kunst ist analog, ihre Themen bewegen auch die digitale Welt: „Die Straße ist noch in öffentlicher Hand, aber wenn wir uns im Internet bewegen, dann auf Seiten von Unternehmen“, sagt er. „Es wäre schön, auch online einen öffentlichen Raum zu haben. Stattdessen werden in der analogen Welt die privaten Rechte dominanter: Urheberrechte, Gestaltungsrechte von Designern, das Recht am eigenen Bild.“

Und was ist nun mit den Rechten des Spieleherstellers? „Der hat sich zu meinem Film bislang nicht geäußert. Das wird sich vielleicht ändern, wenn ich ihn ins Internet stelle.“ Grundsätzlich ist seine Haltung zum Hersteller „Rockstars“ aber freundlich. Faulhaber glaubt an die Kunstfähigkeit von Games. Er hätte sogar Lust, die nächste GTA-Version selbst zu gestalten. (Weiterlesen: Grand Theft Auto V jetzt auch für den PC.)

„Jedes Bild ist ein leeres Bild“, Sa., 18 Uhr, Hasetor, So., 11.30 Uhr, Lagerhalle.

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