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Wer stirbt? Avengers 2: Age of Ultron: Was taugt der 11. Marvel-Film?


Berlin. Joss Whedons „Avengers 2: Age of Ultron“ setzen noch einen drauf: Mehr Helden, aber nicht alle überleben. Wer stirbt?

Am Schluss von „Avengers: Age of Ultron“ fährt die Kamera eine Marmorskulptur ab, die alle Superhelden in einem einzigen Kampfgetümmel vereint. Das Bild des Größenwahns ist beides zugleich: Fankitsch – und der Versuch, die Antike zu überbieten. Mit den Comic-Helden des Marvel-Verlags errichtet Disney ein gigantisches Erzähluniversum, bevölkert es mit Göttern, Monstern und Helden und schickt sie in spektakuläre Schlachten. Ganz wie im Mythos, nur dass die Antriebskraft hier der Umsatz ist. (Marvel‘s Avengers: Was man aus Teil 1 wissen muss, um Teil 2 zu verstehen.)

„Avengers: Age of Ultron“: Ironie und Größenwahn

Wie geht man mit der Gigantomanie des Milliarden-Projekts um? Joss Whedon, der „Marvel’s Avengers“ (2012) zum dritterfolgreichsten Film aller Zeiten machte, mischt Bombast und Understatement: Sein neuer Titel-Unhold Ultron schält eine ganze Stadt aus dem Erdmantel, um sie als Waffe gegen die Menschheit zu richten. Die Avengers stemmen sich in pompösen Actionsequenzen dagegen – um in den Kampfpausen launig miteinander zu frotzeln. Gerade in den ruhigen Sequenzen erweist Whedon sich als guter Mannschaftsführer seines runden Dutzends von Topstars wie Robert Downey jr., Mark Ruffalo und Scarlett Johansson.

Zu den kniffligsten Herausforderungen der „Avengers“ gehört es ohnehin, die Masse an Hauptfiguren sinnvoll aufeinander zu beziehen. „Age of Ultron“ gelingt es mit ironischen Wortduellen, dem rasanten Wechsel von Feind-Freund-Konstellationen und sogar mit amourösen Verstrickungen. Den Überblick wahren trotzdem nur Insider. Schließlich kommen zu Thor, Iron-Man und Hulk, zu Captain America, Hawkeye und der Black Widow noch ein paar Helden hinzu: der superschnelle Quicksilver und Scarlet Witch, eine telepathische Gedankenverdreherin. Sinnvollerweise überleben nicht alle; sonst würden Teil 3 und 4 platzen. (Aaron Taylor-Wood und „Shades of Grey“: Wer ist der Quicksilver-Star wirklich?)

Ist „Age of Ultron“ nur die Überleitung?

Denn „Avengers: Age of Ultron“ ist dramaturgisch mehr Überleitung als eigenständiger Film. Fans und Autoren debattieren längst die „Infinity Wars“ der Avengers, die 2018 und 2019 ins Kino kommen. Man spürt, dass es im „Age of Ultron“ eigentlich nur um die Andeutungen geht, mit denen Whedon die Fortsetzungen vorbereitet: waffenfähige Hightech-Edelsteine etwa oder Visionen, in denen die Avengers sterben. Das nämlich ist der Plan des Ur-Bösewichts, der sich im aktuellen Film erst nach dem Abspann blicken lässt.

Bis es gegen ihn geht, vertreiben die Avengers sich in Ultron mit einem selbst geschaffenen Gegner die Zeit: Ultron ist eine künstliche Intelligenz, die als Sicherheitstechnik gedacht war und sich nun gegen die Menschheit richtet. Zumindest Captain America müsste Déjà-vus kriegen; im letzten Abenteuer, „The Return of the First Avenger“ (2014), hatte er das Problem auch schon auf dem Tisch. Die Regiebrüder Anthony und Joe Russo hatten die Grundidee vom Sicherheitsterror damals als scharfe Amerika-Kritik angelegt. (Fakten zu Chris Evans alias Captain America.)

Whedon: Blockbuster ohne Botschaft

Whedon lässt sich auf den Trend zum Blockbuster mit Botschaft nicht ein und belässt es bei dekorativen Anspielungen, vor allem auf die Appeasement-Politik gegen Hitler. („Peace in our time“, sagt Iron Man ständig.) Daneben gibt es einen flachen Diskurs über das Monströse – wobei die Black Widow sich wegen ihrer Unfruchtbarkeit für ein Monster hält. Das ist fragwürdig, aber trotzdem eine gute Nachricht: Es wird also nie ein Spin-off der Marvel-Babys geben.

Disneys Avengers gegen die norddeutschen Kinos

Dass Comic-Verfilmungen überhaupt Debattenthemen bearbeiten, verdankt sich Nolans finanzkritischen „Dark Knight“-Erfolgen . Auf die Idee, das Geld zu verteufeln, kommen die Avengers selbstverständlich nicht. Seit einigen Jahren gehören die Marvel-Studios Disney, genau wie die Trickfilm-Schmiede Pixar und das Star-Wars-Studio Lucasfilms. Die Macht über einige der größten Fantasiewelten des Kinos soll Kasse machen. Gerade hat Disney in Deutschland die Verleihmieten für seine Filme nach oben korrigiert. Betroffen sind die Kinobetreiber in Städten unter 100000 Einwohner, die den „Avengers“-Film nun zum Teil boykottieren. Der Kampf gegen die finsteren Mächte findet auch jenseits des Kinosaales statt. Nur sind die Marvel-Helden hier nicht die Guten. (Weiterlesen: Norddeutsche Kinos fordern Disney heraus.)

„Avengers: Age of Ultron“. USA 2015. R: Joss Whedon. D: Robert Downey jr., Chris Evans, Mark Ruffalo, Chris Hemsworth, Scarlett Johansson. 119 Minuten, ab 12.


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