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Die Erklärungsversuche Ungeheuer von Loch Ness: Wie echt ist die Fälschung?

Von Daniel Benedict


Berlin. Das Ungeheuer von Loch Ness: Vor 81 Jahren fotografierte Robert Wilson das legendäre Monster. Angeblich. Ein Grund für Google, das Gewässer via Street View auf die Bildschirme der Welt zu holen und ihm ein Doodle zu widmen.

Robert Wilsons Foto des Ungeheuers von Loch Ness ist der Beginn einer endlosen Schauer- und Schwindelgeschichte. Google hat sich für sein Doodle das Datum ausgesucht, an dem vor 81 Jahren das Foto in der „Daily Mail“ erschien. Aber ist Wilson wirklich überhaupt Fotograf? Oder ein Fälscher? Oder noch nicht mal der Fälscher? Fakten zum Ungeheuer-Foto von Loch Ness:

Wann fotografierte Robert Wilson das Ungeheuer von Loch Ness?

Der Medienhype um das Ungeheuer von Loch Ness begann im Jahr 1933 mit Berichten von Monstersichtungen im „Inverness Courier“. Als Londoner Zeitungen ihre Reporter auf das Monster ansetzten und ein Zirkus sogar ein Kopfgeld auslobte, wuchs die Zahl der Sichtungen zwangsläufig. Höhepunkt und offizieller Start des heutigen Tourismus-Mythos ist ein Foto, das der Chirurg Robert Kenneth Wilson am 19. April 1934 geschossen haben soll. Das Doodle erinnert an den Tag der Erstpublikation in der „Daily Mail“. ( Historische Dokumente belegen: Selbst die Polizei von Iverness glaubte damals an das Ungeheuer.) (Google feiert seinen Geburtstag im Doodle – wann immer es Google passt)

Das Ungeheuer von Loch Ness: Erklärung 1

Zu den Sichtungen des Ungeheuers von Loch Ness existieren verschiedene Erklärungen. Abgesehen von der naheliegenden – die Fotos sind gefälscht – kursieren ganz unterschiedliche Thesen: Die spektakulärste vertreten Kryptozoologen (sie unten), die in Nessie einen Nachfahren des Plesiosaurus sehen. Dagegen spricht, dass selbst ein dem Aussterben entronnener Saurier eine stabile Population bräuchte, um heute noch in die Kamera zu lächeln. Plesiosaurier atmeten Luft – und müssten demnach ständig am Loch Ness zu beobachten sein. (Warum zum Loch Ness reisen? Direkt an der A 30 wachsen Bäume in Form des Ungeheuers. Zum Foto des Ungeheuers an der A 30 geht es hier)

Hat Robert Wilson das Foto vom Loch-Ness-Ungeheuer wirklich geschossen?

Wie groß die Affinität des Monsters von Loch Ness zu Schwindlern ist, belegt die Debatte um das Foto von Robert Wilson. Hier wird nicht nur darum gestritten, ob es echt oder gefälscht ist – sondern auch darum, wer die Ehre der Fälschung für sich in Anspruch nehmen darf. 1994 brüstete sich der Daily-Mail-Reporter Marmaduke Wetherell mit der Fälschung des Ungeheuers. Ein Jahr zuvor hatte sich allerdings schon ein anderer Fälscher zu Wort gemeldet. Es lohnt sich offenbar nicht nur, Monster-Beweise zu fälschen, sondern auch ihre Fälschungsgeschichte. (Google verdoodelt das Studio für elektronische Musik – was ist das?)

Das Ungeheuer von Loch Ness bei Google Street View

Das Doodle zum Ungeheuer von Loch Ness inspiriert die Internet-User offenbar zur Monster-Suche. (Weiterlesen: Suche nach Nessie: Google-Kameras erkunden Loch Ness) Google hat mehr Suchanfragen zu dem schottischen See als zum Buckingham Palace, wie die Seite Techcrunch berichtet. Die Street View Impressionen gibt es beispielsweise hier und hier.

Das Ungeheuer von Loch Ness: Erklärung 2

Die Topografie des Loch Ness begünstigt die Entstehung von „Seiches“, sogenannten stehenden Wellen, die mitunter sehr hoch werden – und bei Nebel und ausreichendem Wunschdenken sehr wohl der schlanken Form eines Monsterhalses ähneln können. (Transsibirische Eisenbahn: Doodle zum 100. Jahrestag der Fertigstellung)

Wie alt ist das Ungeheuer von Loch Ness?

Beim Monster lässt sich das nicht sagen. Sein Mythos aber ist viele Jahrhunderte alt. Die erste Beschreibung des Ungeheuers hat der Abt Adamnan (seine Lebensdaten: 622/23-704) in seiner „Vita Columbae“ vorgelegt. Demnach hat der heilige Columban von Iona im Jahr 565 einen Ur-Schotten gerettet, den das Ungeheuer im Fluss Ness vertilgen wollte. Als der Heilige das Kreuzzeichen machte, habe es sich „wie von Seilen gezogen“ davongemacht. Ist das schon ein früher Hinweis auf die Attrappenhaftigkeit von Nessie?

Wer hat Nessie den Namen „Ungeheuer“ verpasst?

Zum wohligen Grusel bei Nessie gehört das Übersinnliche. Die Riesenschlange oder der Mammut-Stör von Loch Ness klingen nicht halb so gut wie das Ungeheuer von Loch Ness. Aber woher kommt die Bezeichnung überhaupt? Aus der Zeitung natürlich. Die mythenträchtige Vokabel hat 1933 ein Redakteur des „Inverness Courier“ in die Welt gesetzt.

Kryptozoologie: Diese Wissenschaft ist für Ungeheuer zuständig

Wissenschaftler schätzen, dass den rund 1,5 Millionen bekannten Tierarten womöglich die zehnfache Menge an unbekannten Arten gegenübersteht. Die Kryptozoologie nimmt an, dass ein (winziger) Teil davon in der mündlichen Überlieferung, in Mythen oder Legenden beschrieben wird, ohne dass es wissenschaftliche Beweise für die Existenz dieser Tiere gibt. Wie im Fall des Ungeheuers von Loch Ness, des Yetis oder des mythischen Big Foot. Kryptozoologen verweisen in der Debatte um diese Phänomene auf Fälle, in denen auch andere Tiere als Aberglauben abgetan wurde – etwas der Berggorilla, der bis zu seiner Entdeckung im Jahr 1902 als Geschwätz belächelt wurde.

Das Ungeheuer von Loch Ness: Erklärung 3:

Etliche Sichtungen des Ungeheuers von Loch Ness dürften auf schlichten Verwechslungen beruhen – bei denen kein Monster im Wasser schwamm, sondern Baumstämme, Seevöge oder Hirsche. Die Gegend um Loch Ness ist auch für sehr große Störe bekannt.

Wie lautet der wissenschaftliche Name des Ungeheuers von Loch Ness?

Nessiteras rhombopteryx: So taufte der Naturschützer Sir Peter Scott 1975 das Monster von Loch Ness, nachdem Taucher wieder mal ein verschwommenes Foto vorgelegt hatten. Wenn man die Buchstaben dieses Namens vertauscht, steht am Ende „monster hoax by Sir Peter S.“ auf dem Papier: Zu deutsch: Monster-Schwindel von Sir Peter S.

Das Ungeheuer von Loch Ness: Erklärung 4

Es ist verblüffend, dass bislang noch niemand die Idee hatte. Aber Google hat mit seinem Doodle offensichtlich das Loch-Ness-Mysterium gelöst: Auf der Suchmaschine ist das Monster weder Welle noch Dino - sondern ein U-Boot voller Aliens! Herr von Däniken, übernehmen Sie!

Quelle: Wikipedia