Die nicht so liebliche Liebe Eine Welt voller Sexismus im Osnabrücker Haus der Jugend

Eingeschnürt wie ein Paket: Schauspielerin Saskia Boden spielt Frauen, die die Liebe ganz unromantisch erleben. Foto Hanno EndresEingeschnürt wie ein Paket: Schauspielerin Saskia Boden spielt Frauen, die die Liebe ganz unromantisch erleben. Foto Hanno Endres

Osnabrück. Eine Welt voller Sexismus zeigen die Pussy Power Grrrls mit „Aphrodites romantischer Revue der lieblichen Liebe“. Das Theaterkollektiv hat sein erstes Stück am Wochenende im Haus der Jugend gezeigt.

Die Liebe, ach, die Liebe, was könnte sie schön sein. Sehnen wir uns im Grunde nicht alle danach? Nach Leidenschaft, Glück und Harmonie? Ja, das ist die Idee von Liebe. Doch die Realität sieht anders aus.

Das muss auch Aphrodite erkennen, die vom Olymp auf die Erde hinabgestiegen ist, um ein Fest der Liebe und Leidenschaft zu feiern. In ein goldenes Glitzerkleid gehüllt und mit kokettierenden Schulterblicken schreitet sie an ihren Gästen im Haus der Jugend vorbei Richtung Bühne. Doch die Stimmung hält nicht lange. Denn es folgen Geschichten von Gewalt, Unterdrückung und Misshandlung.

Beim Theaterkollektiv Pussy Power Grrrl ist die Liebe kein romantisches Ideal, sondern geprägt vom Machtgefälle zwischen den Geschlechtern. Und so verbirgt sich hinter dem Stücktitel „Aphrodites romantische Revue der lieblichen Liebe“ keineswegs ein Jubellied, sondern eine feministische und wütende Dekonstruktion.

Schauspielerin Saskia Boden wechselt in diesem Solostück nicht nur beständig zwischen den Rollen, sondern auch zwischen den Gefühlen. Als Aphrodite flirtet sie mit dem Publikum und steht für die hemmungslose Hingabe an die Gefühle. Doch die Geschichten der irdischen Frauen führen zu einer mulmig machenden Wende. Da ist die Verkäuferin, die ihren Job verliert, nachdem ein Kollege sie belästigt hat. Als sie sich bei ihrem Chef beschwert, hält der ihr mangelnde Leistung vor und kündigt ihr. Und es wird nicht besser. Eine Lesbe wird auf der Wache von Polizisten misshandelt, eine Kellnerin im Steakhouse buchstäblich zum Stück Fleisch der Restaurantbesucher.

In der Enge des Auftrittsraums an der Bocksmauer ist das Stück gut aufgehoben. Zwar können die hinteren Reihen nicht immer alles sehen. Doch die Intimität des Raums hat die rund 40 Zuschauer am Freitagabend in dieser Dreiviertelstunde mitgehen lassen. Lachen wechselt zu bedrückender Stille und schließlich mit Aphrodites wütendem Schlussplädoyer gegen die Unterdrückung der Weiblichkeit wieder zu guter Stimmung.

Neben Saskia Boden, die von 2009 bis 2011 am Theater Osnabrück engagiert war, gehört Autorin Anna Dreher zu den Pussy Power Grrrls. Sie ist in Osnabrück aufgewachsen und hat hier den Masterstudiengang Literatur und Kultur in Europa absolviert. Als Theaterkollektiv wollen die Pussy Power Grrrls feministische Themen auf die Bühne bringen und haben mit der Liebes-Revue der anderen Art ein „Lebensthema“ gezeigt, wie Saskia Boden es ausdrückt. Damit haben sie einen vielversprechenden Anfang gemacht und macht neugierig auf weitere Projekte.


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