„10 Milliarden“ Valentin Thurn stellt seinen neuen Film in Osnabrück vor

Die Bevölkerung wächst – doch wie sollen alle Menschen ausreichend ernährt werden? Davon handelt der neue Film von Valentin Thurn. Foto: ProkinoDie Bevölkerung wächst – doch wie sollen alle Menschen ausreichend ernährt werden? Davon handelt der neue Film von Valentin Thurn. Foto: Prokino

Osnabrück. Gut sieben Milliarden Menschen leben derzeit auf der Erde, und es werden immer mehr. Wie sollen in Zukunft alle Menschen satt werden? Dieser Frage geht Valentin Thurn in seinem neuen Film nach. Am Sonntag stellt er ihn in Osnabrück vor.

Für manch einen mag der Satz bizarr klingen, für Mary Clear ist die Lösung aber eindeutig: „Nicht die Wissenschaft wird das Ernährungsproblem lösen, sondern Mitgefühl und Menschlichkeit“, sagt die Initiatorin der „Essbaren Stadt“ im britischen Todmorden. Dort werden seit einiger Zeit öffentliche Plätze und Grünanlagen mit Gemüse statt mit Zierpflanzen bestückt – jeder darf sich daran bedienen.

Auch solche Projekte hat der Diplom-Geograf Valentin Thurn für seinen Film „10 Milliarden. Wie werden wir alle satt?“ besucht. Es ist eine große Spannbreite, die er darin anreißt: Da sind zum einen diejenigen, die glauben, mit Massentierhaltung, Monokulturen und Gentechnik die Welternährung in den Griff zu bekommen. Ihnen stehen die biologische Landwirtschaft, Kleinbauern und Zusammenschlüsse von Selbstversorgern gegenüber. (Weiterlesen: Teilen statt wegwerfen: Die Shareconomy ist dank des Internets auf Erfolgskurs)

Nur Teil der Lösung

Weltweit befragte Thurn Wissenschaftler, Fleischproduzenten, Kleinbauern, Bio-Landwirte und Selbstversorger. Zudem setzte er sich mit Projekten wie der „Essbaren Stadt“ auseinander. Fast scheint es so, dass er die Lösung in solchen kleinen Projekten, vor allem aber in der Versorgung mit regional angebauten Lebensmitteln sieht.

Nicht ganz, sagt der Filmemacher im Gespräch mit unserer Redaktion: „Die regionale Landwirtschaft ist nur ein Teil der Lösung, denn weltweit gibt es diese Strukturen noch in vielen Ländern.“

Es gehe ihm um angepasste Lösungen, die eben nicht überall dieselben sein könnten. „In Industrienationen mögen hochtechnische Lösungen funktionieren, weil wir es uns leisten können“, sagt er. Für Länder der Dritten Welt aber sei das nicht finanzierbar.

Mit dem Dokumentarfilm „Taste the Waste“ war Valentin Thurn 2011 bekannt geworden. Darin zeigt er, dass in Industriegesellschaften 50 Prozent der produzierten Lebensmittel im Müll landen, weil sie optischen Ansprüchen nicht genügen. Der Dokumentarfilm wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Umwelt-Medienpreis 2011 der Deutschen Umwelthilfe.

Weltweit sei es erstrebenswert, die Grundversorgung im eigenen Land vom Welthandel abzukoppeln, um Abhängigkeiten von Spekulationen zu vermeiden, betont Thurn. Er teilt zwar die Sorge vor zu wenig Essen für zu viele Menschen. Gleichzeitig werde der Satz aber auch als Schreckensszenario für Geschäftsinteressen missbraucht, sagt er.

Zehn Milliarden Menschen sollen laut UNO bis Ende dieses Jahrhunderts die Welt bevölkern.

Verbraucher überfordert

Viel mehr würden es danach nicht werden, die Geburtenraten gingen bereits in einigen Ländern zurück, sagt Valentin Thurn. Er selbst hat die Plattform „Taste of Heimat“ initiiert, die über regional angebaute Lebensmittel im Raum Köln informiert. Ziel ist es zum einen, die regionale Produktion anzuregen, aber auch zu informieren – viele Verbraucher seien angesichts der Fülle an Informationen überfordert.

Ziel soll es aber auch sein, in der Gemeinschaft Forderungen an die Ernährungspolitik zu formulieren, denn das Verhalten der Verbraucher sei ein erster Anstoß, den die Politik mit Maßnahmen und Regelungen flankieren müsse. Zudem hat Thurn die Online-Plattform foodsharing.de mitbegründet. Privatpersonen und Händler können dabei kostenlos überschüssige Lebensmittel anbieten, damit die nicht weggeschmissen werden.

Am kommenden Sonntag stellt Thurn seinen Film „10 Milliarden. Wie werden wir alle satt?“ um 17.45 Uhr im Cinema-Arthouse vor.


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