„Unglaubliche Wertschätzung für die Kunst“ Galerist Hans Mayer wirbt für Vertrauen in den Kunsthandel


Düsseldorf. Der Galerist Hans Mayer erhält den diesjährigen Preis der Kunstmesse Art Cologne. Im Gespräch wirbt er um Vertrauen in den Kunsthandel.

Düsseldorf. Während des Interviews kommen die Möbelpacker. Robert Longos rund zweieinhalb mal zwei Meter große Kohlezeichnung „Tiger“ geht zur Art Cologne, die vom 16. bis 19. April läuft. Bislang hing der gewaltige Raubtierkopf im Büro von Hans Mayer. Der Düsseldorfer Galerist , der jetzt mit dem Preis der Kölner Kunstmesse ausgezeichnet wird, ist sich sicher, dass er das charismatische Bild von Longo vermissen wird. Der Schätzpreis liegt nicht unter einer Million Euro. Und wie sieht Mayer den aktuellen Kunstmarkt?

Sie erhalten in diesem Jahr den Preis der Art Cologne, pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum Ihrer Galerie. Haben Sie das Gefühl, Kunstgeschichte mitgeschrieben zu haben?

Natürlich ist ein 50-jähriges Jubiläum ein Moment, an dem man zurückblickt und froh ist, mit bestimmten Künstlern zusammengearbeitet zu haben, besondere Menschen miteinander verbunden zu haben oder großartige Dinge ermöglicht zu haben. Dies ist aber eine Perspektive, die ich erst jetzt habe. Als diese Dinge passierten, war es „einfach“ das Richtige und für mich Interessanteste, deswegen musste ich es damals so machen. Genauso wie ich es ja noch heute mache.

Galeristen bringen Kunst und Käufer zusammen. Wie vermitteln Sie Kunst an die Käufer? Spüren Sie, welche Bilder zu welchem Sammler passen?

Im Idealfall kennt man sich schon lange und weiß, was dem oder der anderen gefällt. Wenn man sich neu kennenlernt, passiert die Vermittlung in einem längeren Gespräch, in dem ich meinen Enthusiasmus für das Bild mit dem Sammler teile.

Der bevorstehende Verkauf der Kunstsammlung der ehemaligen West LB sorgt für Diskussionen. Wie sehen Sie diese Verkäufe?

Sie wären keine schlechte Sache, wenn sie über Galerien laufen würden. Aber diese Verkäufe laufen nur über Auktionen. Galerien wären geeignet, diese Werke zu Bestpreisen zu verkaufen. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn die Portigon AG über mich verkaufen würde.

Bis auf ein kurzes Intermezzo in der Hauptstadt sind Sie dem Rheinland treu geblieben. Wie sehen Sie den Hype um Berlin als neuer Kunsthauptstadt?Es ist toll, was sich in der Hauptstadt entwickelt hat. Ich bin gerne und häufiger da, vor allem, weil ich gute Freunde in Berlin habe. Diese zu sehen bedeutet mir viel, hat aber erst einmal nicht so viele mit der Galerie zu tun, was vielleicht ein Fingerzeig ist, warum die Galerie Hans Mayer heute noch in Düsseldorf, und nicht in Berlin ist.Wie hat sich die Rolle der Galeristen in den letzten Jahren verändert, gerade im Zusammenspiel mit Kuratoren und Kritikern?

Ich glaube nicht, dass sich die Rolle grundsätzlich geändert hat. Natürlich sind die Zusammenhänge vielseitiger und heterogener als damals geworden, es gibt neue „Mitspieler“, aber das Zusammenspiel zwischen mir, Kuratoren und Kritikern ist wie damals von Freundschaft und gemeinsamer Leidenschaft geprägt. Und natürlich gibt es Kuratoren, deren Meinung ich schätze, und auch welche, denen ich und die mir nahe sind; das ist heute noch genauso wie damals.

Welchen Sammler schätzen Sie denn besonders?

Ich bin mit dem Hamburger Sammler Harald Falckenberg freundschaftlich verbunden und schätze seine Sachkenntnis und seinen enormen Fleiß. Auch seine Texte über Kunst lese ich gern. Er hat in diesem Jahr bei mir die Fotoarbeit „Grüße vom Vatikan“ von Jürgen Klauke und eine Videoarbeit von Jon Kessler gekauft.

Der Betrugsfall des Kunstberaters Helge Achenbach hat den Kunsthandel in Verruf gebracht. Wie kann die Branche Ihrer Meinung nach verlorenes Vertrauen wiedergewinnen?

Diese Generalisierungen finde ich im Allgemeinen schwierig; „Die“ Branche gibt es so einfach nicht. Natürlich können wir uns alle überlegen, wie der Kunstmarkt nach außen wirkt und wie wir manche Mechanismen besser erklären. In meinem Fall kann ich nur sagen, dass das Vertrauen, das ich über 50 Jahre lang aufgebaut habe, nicht erschüttert ist. Unser Arbeiten ist heutzutage, wie bei allen Firmen auch, so transparent, dass wir es uns gar nicht leisten könnten, so zu arbeiten, dass es uns in Verruf bringen würde.

Im Mai kommt in New York Pablo Picassos Gemälde „Les Femmes d’Alger“ für 128 Millionen Euro zum Aufruf. Wie sehen Sie die Tendenz zu immer neuen Preisrekorde bei Kunstauktionen?

Natürlich drückt sich durch diesen Preis auch die unglaubliche Wertschätzung aus, die Kunst heute widerfährt. Das ist erst mal, ganz neutral, ein gutes Zeichen. Natürlich kann man das aber nicht nur so neutral betrachten, das wäre naiv. Diese Preise sind im Gegensatz zu Preisen, die in der Galerie, im Wissen von Angebot und Nachfrage entwickelt werden, Preise, die eine psychologisch sehr extreme Momentaufnahme spiegeln. Dies kann für Karrieren von Künstlern, aber auch von einzelnen Bildern, sehr gefährlich sein.


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