Ein Bild von Dr. Stefan Lüddemann
01.04.2015, 06:00 Uhr HERKUNFT WIRD UNTERSUCHT

Schädelsammlung für Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Mit dem Streit um Exponate aus menschlichen Überresten kommt auch eine Ausstellungspraxis in die Diskussion. Unser Bild: Eine Präsentation von Kriegskeulen aus Samoa aus dem Hamburger Museum für Völkerkunde. Foto: dpaMit dem Streit um Exponate aus menschlichen Überresten kommt auch eine Ausstellungspraxis in die Diskussion. Unser Bild: Eine Präsentation von Kriegskeulen aus Samoa aus dem Hamburger Museum für Völkerkunde. Foto: dpa

Osnabrück. Die Berliner Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat eine Sammlung menschlicher Überreste übernommen. Doch was sollte mit den Exponaten geschehen? Ein Kommentar.

Gehören Knochen, Schädel oder Objekte aus menschlichen Überresten ganz selbstverständlich in Museen? Diese Frage wird heute mit anderer Dringlichkeit gestellt als noch vor Jahren. Völkerkundler haben derartige Exponate lange Zeit ganz selbstverständlich präsentiert. Damit haben sie aber auch Zeugnis von einem Geist abgelegt, der mit dem Ausstellungsstück selbstverständlich über fremde Kulturen verfügt.

Gegen diese europäische Praxis regt sich inzwischen weltweit Protest. Menschen aus anderen Kulturen verlangen die Rückgabe von Schädeln oder Knochen. Sie reklamieren das Recht auf einen eigenen Umgang mit den Überresten ihrer Vorfahren, stellen zugleich westliche Wissenschaftlichkeit und ihren Zugriff auf andere Kulturen infrage.

Die Berliner Stiftung Preußischer Kulturbesitz tut deshalb gut daran, die Herkunft von Gebeinen der Sammlung Luschan genau zu erforschen. Gerade im künftigen Humboldt-Forum darf der Ungeist falscher Verfügung nicht wiederaufleben. Für diese Präsentation muss die Kooperation mit Vertretern anderer Kulturen den Maßstab liefern. Anders sind Respekt und Dialog nicht möglich.


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