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16.03.2015, 18:41 Uhr KOLUMNE

Mozart expressiv und herb



Osnabrück. Es ist das Klarinettenkonzert schlechthin: Mozarts Werk in A-Dur KV 622. So beliebt ist es, dass es fast ausgeschlossen scheint, ihm noch neue Seiten abzugewinnen. Charles Neidich, Spezialist für historische Klarinetten, hat es dennoch geschafft.

Er spielt das Instrument, für das Mozart es tatsächlich komponiert hat, die Bassett-Klarinette, und zwar nicht wie etwa Sabine Meyer und Kollegen eine moderne, sondern den Nachbau des Modells von Mozarts Freund Anton Stadler. Wichtiger aber ist sein Spiel: grundsätzlich sehr expressiv, die Artikulation viel deutlicher als üblich und teilweise ungewohnt scharf, außerdem überall kleine improvisierte Verzierungen und Kadenzen – und im Orchestertutti spielt er teilweise auch mit. Sehr gut passt zu diesem Ansatz das Orchester Solamente Naturali aus Bratislava. Es klingt, ebenfalls mit historischen Instrumenten, deutlich angeraut und herber als gewohnt. Als Zugaben gibt es zwei Kammermusikwerke für Klarinetten und Bassetthörner, eines davon hat Neidich selbst ergänzt. Er spielt in diesen Werken mit dem wunderbaren Ensemble Clarimonia, bestehend aus drei Bassetthörnern. Dieses Ensemble ist auch im liebenswerten, aber kurzen Konzert für drei Bassetthörner und Orchester von Georg Druschetzky zu hören, das die neue Platte abrundet.

Mozart 1791. Charles Neidich, Solamente Naturali, Clarimonia. Bremen Radiohall Records, brh CD1402.


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