Publikum im Theater am Domhof begeistert Volle Opulenz, voller Erfolg: Musical „Jekyll & Hyde“


Osnabrück. Es war der Abend des Jan Friedrich Eggers. Der Bariton triumphierte in der ungewöhnlichen Doppel-Titelrolle im Musical „Jekyll & Hyde“ am Theater Osnabrück.

Die Hand zuckt, verkrampft sich, bis sie aussieht wie eine Vogelkralle. Das Haar, vorher zum glatt glänzenden Zopf gebunden, hängt fransig wie ein mottenzerfressener Vorhang über der linken Gesichtshälfte. Die Stimme wird düsterer, fieser, gemeiner, und ein böses Lachen mischt sich in die Sätze: Da ist sie, die böse Seite des Menschen, die Dr. Henry Jekyll freilegen und unschädlich machen wollte. Stattdessen schlägt er als Edward Hyde die Krallen in den Hals der Prostituierten Lucy Harris und zieht mordend durch Londons Straßen. Seine Opfer: diejenigen, die Jekylls gut gemeinten Forschungen verhindert haben.

Faust und Freud

Faustischer Erkenntnisdrang und freudianische Seelensezierung bringen in Robert Louis Stevensons „Seltsamem Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ ein Monster hervor, das, Bram Strokers Grafen Dracula nicht unähnlich durch die Nacht streicht und reihenweise Menschen ermordet. Stevenson traf damit einen Nerv seiner Zeit, und d

Die Faszination an der janusköpfigen Doppelkreatur hat bis heute gehalten: Zahlreiche „Jekyll & Hyde“-Filme belegen das, und seit nunmehr fast 25 Jahren tut das auch ein Musical, das nun das Theater Osnabrück erreicht hat. Zu einem großen Teil verdankt sich der Erfolg dem Hauptdarsteller Jan Friedrich Eggers . Stimmlich hat der Opernbariton zum Musicaldarsteller umgeswitcht, und als smarter Dr. Jekyll mit guten Manieren überzeugt er genauso wie in der Rolle des mordenden Mr. Hyde – und auch die Nuancen dazwischen beherrscht Eggers perfekt: die Unsicherheit Lucy gegenüber und die Mutation von Jekyll zu Hyde. Und dazu singt Eggers auch ausgesprochen expressiv.

In Frank Wildhorns opulenter Musik umschmeicheln gefühlige Oboen- und Flötensoli die Gesangsparts, und in einem fulminanten Crescendo plustern sich zarte Songgespinste zum bombastischen Poprausch auf – das ist der Stoff für Musicalträume; deshalb wollte sich Bremen mit dem Stück 1998 als Musicalstadt etablieren. Der Traum platzte, aber das Stück begann seinen Siegeszug über die deutschen Bühnen.

Regisseur Guillermo Amaya  siedelt die Handlung im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts an, in der Entstehungszeit der Novelle also. Das unterstreichen die Kostüme von Erika Landertinger, und die Bühne von Gundula Martin und Alexander Heilscher deutet das wirkungsvoll an: Eine Säule, eine große Tür, ein bisschen roter Plüsch genügen für das passende Ambiente – sei es im viktorianischen Salon, in Jekylls Labor oder im Puff. Und für das Lokalkolorit dämmert die Silhouette von London auf einem Gaze-Vorhang: mal in nachtblau getaucht, mal ins Morgen-, mal in blutiges Rot.

Neben Jan Friedrich Eggers besticht Dorothea Maria Müller als Lucy Harris durch ihre Bühnenpräsenz. Die andere zentrale Frauengestalt, Jekylls Verlobte Lisa, wird von Joyce Diedrich auf die Bühne gebracht – die Musical-Studentin am Osnabrücker Institut für Musik (IfM) hat die Chance genutzt, die ihr zufiel, weil die eigentliche Darstellerin ausfiel: Mit ausdrucksvoller Stimme und hoher Bühnenpräsenz integriert sie sich hervorragend ins Ensemble.

Fruchtbare Kooperation

Eine Reihe ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen vom IfM der Hochschule Osnabrück ergänzt in dieser Produktion das Ensemble des Theaters Osnabrück – eine Kooperation , von der beide Seiten profitieren. Unter anderem, weil Morris Perry mit den Studierenden stimmige Choreografien entwickelt hat.

Nach knapp drei Stunden erlöst Jekylls Freund, der Anwalt Gabriel John Utterson (Genadijus Bergorulko), Jekyll von seinem bösen Alter Ego. Weil das Böse aber nun mal nicht vom Guten zu trennen ist, bedeutet das auch den Tod des Dr. Jekyll - und – das tragische Ende eines Musicals, das nicht auf Humor, sondern auf große Emotionen setzt. Dafür erntet das Osnabrücker Ensemble begeisterten Applaus.


Die nächsten Vorstellungen: 26., 29., 31. März. Kartentel.: 05 41/7 60 00 76  www.theater-osnabrueck.de

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