Anrührender Science-Fiction-Film „Chappie“ – Ein Roboter mit Herz und Seele

Von Reinhard Westendorf

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Osnabrück. „Willkommen bei der ersten Roboter-Polizei der Welt!“ So begrüßt der neue Science-Fiction-Film des südafrikanischen Regisseurs Neill Blomkamp sein Publikum. Doch „Chappie“ bleibt kein seelenloser Robocop, sondern entwickelt menschliche Gedanken und Gefühle.

Der südafrikanische Drehbuchautor und Regisseur Neill Blomkamp schuf 2009 mit „District 9“ einen der originellsten Science-Fiction-Filme der letzten Jahre. Mit „Elysium“ (2013) blieb er dem Genre treu, entfernte sich aber zeitlich und räumlich noch weiter von unserer gegenwärtigen Welt. Mit „Chappie“ kehrt Bloomkamp wieder in die unmittelbare Zukunft der Erde zurück.

Wie schon in „District 9“ ist die Handlung in und um Johannesburg angesiedelt. Im Jahr 2016 konnte in der Gewalt-Hochburg die erschreckende Mordquote von 300 Toten pro Tag dank der „ersten Roboter-Polizei der Welt“ um mehr als die Hälfte reduziert werden. Mit Unterstützung ihrer menschlichen Kollegen stellen die maschinellen Scouts eine enorm effektive Waffe im Kampf gegen das Verbrechen dar. Doch ihr Erbauer Deon Wilson (Dev Patel) möchte seine Maschinen-Cops zu Geschöpfen mit eigenem Bewusstsein weiterentwickeln. Denn wenn sie denken könnten, dann müssen Maschinen zwangsläufig so etwas wie Gefühle entwickeln, und dies wiederum bedeutet, dass sie als vollwertige Partner des Menschen angesehen werden. Dieser Vision einer gleichberechtigten Koexistenz von künstlichen und natürlichen Menschen setzt Deons betrieblicher Widersacher ( Hugh Jackman ) ein von ihm selbst per Neural-Helm gesteuertes Maschinen-Monster namens „Moose“ (Elch) entgegen.

Doch wie schwierig die Kommunikation des Menschen mit seinem konstruierten Ebenbild sein kann, demonstriert der ausrangierte Scout Nummer 22. Technisch von seinem Schöpfer Deon reanimiert und mit Intelligenz versehen, erlebt er als „Chappie“ seine Wiedergeburt inmitten einer menschlichen Spezies jenseits von Gesetz und Ordnung.

Der schnell lernende Jungroboter gewinnt seine kriminelle Familie lieb, obwohl er von dieser Gangster-Bande einst entführt wurde und jetzt für ihre Zwecke missbraucht wird.

Bereits 1987 zeigte uns Paul Verhoevens „Robocop“, wie Strafverfolgung in der Zukunft aussehen könnte. Und ein Jahr zuvor demonstrierte John Badham auf komische Art, dass sein Roboter „Nummer 5 lebt!“. Mit der liebenswert und tricktechnisch bestens in Szene gesetzten Titelfigur „Chappie“ gelingt Regisseur Neill Bloomkamp eine überzeugende Verschmelzung von dramatischen, anrührenden und lustigen Aspekten einer Existenz zwischen Roboter, Android und Cyborg.

Selten genug gibt es im Science-Fiction-Genre Roboter in Hauptrollen. Umso erstaunlicher, dass „Chappie“ selbst bei kritischen Zuschauern Tränen der Rührung hervorbringt wie einst E.T. Der war aber kein hybrides Wesen aus Maschine und Mensch, sondern ein echter Außerirdischer!

Chappie. USA 2015, R: Neill Blomkamp. D: Dev Patel, Hugh Jackman, Sharlto Copley, Sigourney Weaver; 117 Min., ab 12.


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