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Dokumentation „14-18-28“ Entscheidung zum Leben: Wenn Mädchen Mütter werden



Osnabrück. Mit 14 ungewollt schwanger – das ist ein Schock für Teenies. Das Projekt „14-18-28“ begleitet vier Mädchen, die sich für ihre Kinder entschieden haben. Die ersten beiden Filme der Regisseurin Cornelia Grünberg werden im Rahmen der niedersächsischen Schulkinowoche in Osnabrück gezeigt.

Wenn Fabienne tanzen geht, dann gerne in Klubs ab 18. Wenn Fabienne etwas nicht passt, dann pöbelt sie laut. Doch jetzt wird nicht mehr getanzt, jetzt wird nicht mehr gepöbelt. Fabienne ist ungewollt schwanger. Sie ist erst 14 Jahre alt. „Soll ich es kriegen? Oder soll ich nicht?“, fragt sich das junge Mädchen in dem Bewusstsein, dass die Beantwortung dieser Frage sein komplettes Leben umkrempeln wird.

Im Jahr 2008 startete die Regisseurin Cornelia Grünberg ihr Filmprojekt „14-18-28“. Darin begleitet sie vier Teenie-Mütter, die mit 14 Jahren ihr erstes Kind geboren haben. Die Dokumentation ist auf 14 Jahre angelegt, vier Filme sollen daraus entstehen. Die ersten beiden Teile „Vierzehn – Erwachsen in neun Monaten“ und „Achtzehn – Wagnis Leben“ werden innerhalb der niedersächsischen Schulkinowoche in Osnabrück gezeigt. „Viele denken, dass das Leben vorbei ist, wenn sie so früh schwanger werden“, sagt die 55-jährige Filmemacherin. „Sie fühlen sich wie Aussätzige und so werden sie behandelt.“ Auch die vier Hauptpersonen, Fabienne, Laura, Lisa und Steffi, werden schräg angeschaut und ausgegrenzt. Sie machen trotzdem weiter und haben sich entschieden, ihre Geschichten von Grünberg erzählen zu lassen.

Wunsch nach Liebe und Zuneigung

Über Schwangerschafts-Konfliktberatungsstellen lernt die Regisseurin die Mädchen kennen. Alle haben ihre eigene Vorgeschichte. Doch eine Sache verbindet sie: der Wunsch nach Liebe und Zuwendung. „Wer zu Hause keine Geborgenheit bekommt, der sucht sie woanders“, erklärt Grünberg. Vor den Konsequenzen verschließen die Mädchen zunächst die Augen, wollen nicht wahrhaben, dass sich ihr Körper verändert. „Dann haben wir einen Test gemacht, dann war er positiv, dann habe ich geweint“, erinnert sich Lisa im Film an den Moment der Wahrheit.

90 Drehtage in fast vier Jahren

Die Regisseurin, die ebenfalls früh mit 20 Jahren Mutter wurde und inzwischen schon eine pubertierende Enkeltochter hat, kommt den Mädchen in ihrer Dokumentation ungeschönt und ehrlich nah. 90 Drehtage in fast vier Jahren hat sie für die ersten beiden Filme investiert. Während im ersten Film Schwangerschaft und Geburt begleitet werden, zeigt die zweite Dokumentation, wie sich das Leben der vier Jugendlichen vier Jahre später entwickelt hat. „Wir sehen in den Filmen, wie sie erwachsen werden“, sagt Grünberg. Und wie alle jeweils andere Richtungen einschlagen.

Keines der Mädchen ist noch mit dem Kindsvater zusammen

Steffi trennt sich von ihrem Freund, kämpft um den Umgang mit ihrem Sohn Jason und erhält mit 18 Jahren das Sorgerecht. Auch Laura ist nicht mehr mit dem Kindsvater zusammen, wird zwei Mal wegen des Umgangsrechts verklagt und zerbricht fast an der Belastung, eine gute Mutter, eine gute Schülerin und eine gute Hausfrau zu sein. Erst eine Mutter-Kind-Kur bringt sie ihrer Tochter Stella näher. Lisa war nur kurz mit dem Kindsvater zusammen, zieht mit ihrer Familie und Tochter Leyla nach Hawaii und bekommt dort zwei weitere Kinder. Zu deren Vater hat sie keinen Kontakt mehr. Als er sie während der zweiten Schwangerschaft die Treppe herunter schubst, wirft sie ihn aus dem Haus. Einen neuen Freund hat auch Fabienne, der für Sohn Valentin, der „Baba“ ist. Sie macht eine Ausbildung und geht nur noch tanzen, wenn Valentin versorgt ist. Im Sommer wird sie heiraten. „Fabienne hat wirklich die krasseste Entwicklung hinter sich“, sagt Cornelia Grünberg. „Sie tritt auf wie eine 40-Jährige, dabei ist sie gerade mal Anfang 20.“

Aktuell arbeite die Regisseurin am dritten Film ihrer Reihe. „Zehn – Die Kinder der Kinder“ porträtiert den Nachwuchs der jungen Mütter. Dafür fliegt sie im November für einige Tage zu Lisas Familie nach Hawaii. Im letzten Film „Achtundzwanzig“ soll dann ein Resümee gezogen werden. Die Kinder der Mütter sind nun 14 Jahre alt, also in dem Alter, als Steffi, Lisa, Laura und Fabienne sie bekamen. Wie hat sich das Leben der Familien verändert und wo stehen sie?

Regisseurin möchte Empathie wecken

Mit ihren Filmen möchte Grünberg vor allem die Empathie junger Menschen wecken. „Jugendliche verurteilen sich schnell gegenseitig und spüren nicht, was diese Entscheidung eigentlich bedeutet“, sagt die Regisseurin. Ein Kind zur Welt zu bringen, sollte nicht verurteilt werden. Vielmehr sollten die Menschen ihre Hilfe anbieten. Das hat auch Lauras Umfeld mit der Zeit verstanden. Als die junge Frau nach Jahren der Doppelbelastung endlich ihr Abiturzeugnis erhält, würdigt sie ihr Rektor mit einer persönlichen Ansprache: „Danke, Laura, für ihre Entscheidung zum Leben.“


Schulkinowochen in Osnabrück

Zum elften Mal finden in diesem Jahr die Niedersächsischen Schulkinowochen statt. Vom 23. bis zum 27. Februar können Schulklassen sich in Osnabrück im Cinema-Arthouse, Cinestar und in der Filmpassage ausgewählte Filme ansehen. Mit dem film- und medienpädagogischen Projekt, an dem landesweit rund 100 Kinos teilnehmen, soll die Medienkompetenz junger Menschen gestärkt werden. Der Eintrittspreis beträgt für Schüler 3,50 Euro, für Lehrer ist der Einlass frei.

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