Vollbetrieb in der Kreativwerkstatt „Was für ein Fest?“: Kunsthalle Osnabrück startet Performance-Projekt


Osnabrück. In der Kunsthalle Osnabrück startet am 8. Februar 2015 „Was für ein Fest?“. Das Performanceprojekt weckt große Erwartungen. Ein Vorbericht.

Osnabrück. Bei der letzten Kasseler Documenta wurde er 2012 mit blauem Helm gesichtet. In Osnabrück trägt er Ringelsocken und ein Stirnband mit der Aufschrift „Welcome“. Thierry Geoffroy hält einen Stegreifvortrag über Castingshows und neue Willkommenskultur und gibt mit seiner „Willkommensmaschine“ zwei Tage vor der Eröffnung des neuen Kunstprojekts zumindest einen kleinen Vorgeschmack auf das, was Besucher in den nächsten sieben Wochen in der Kunsthalle Osnabrück erwarten soll: ein Programm mit acht Performances.

„Was für ein Fest?“: Unter dieser Überschrift gibt es keine klassische Ausstellung, sondern ein Werkstatt-Programm. Objekte sollen nicht angestaunt werden, sie dienen als Ausgangspunkte für Aktivitäten. Besucher sind eingeladen, mit den Büchern zu arbeiten, die Andrew Beccone in seiner „Reanimation Library“ zu einem Zufallsarchiv versammelt hat, oder sich eines der Kleidersets auszuleihen, die Niklas Goldbach in sauber gestapelten Kartons anbietet, und nach Anweisung Fotos zu machen.

Was läuft eigentlich vor dem Start der Ausstellung in der Kunsthalle? Lesen Sie hier den Bericht über die Vorarbeiten der Kuratoren.

Mit solchen und weiteren Arbeiten verschmelzen Ausstellung und Didaktik zu jener Lesart von Kunst, die Kunsthallen-Leiterin Julia Draganovic in ihrer Ära verwirklichen will: Kunst als Projekt der Teilhabe, Kunst als ihre eigene Vermittlung. Die Weichen dafür hat sie mit Personalentscheidungen gestellt. So kuratiert sie „Was für ein Fest?“ gemeinsam mit Pablo Helguera, Performancekünstler, Kunstautor und Leiter der Kunstvermittlung am New Yorker Museum of Modern Art . Zudem ist Christel Schulte, Kuratorin für Vermittlungsarbeit in der Kunsthalle, nun für ein Jahr vollzeitbeschäftigt.

Der Löwenanteil des Ausstellungsbudgets von 180000 Euro – gleich 120000 trägt die Osnabrücker Bohnenkamp-Stiftung – geht in Ausgaben für Personalkosten. Denn für „Was für ein Fest?“ müssen buchstäblich Menschen bewegt und keine Objekte entliehen und transportiert werden. Ein Paradigmenwechsel?

Wann läuft was? Hier finden Sie den Überblick über die Termine der Performances.

Ja, und was für einer. Die Richtung markierte Julia Draganovic schon im Juni 2014 mit „24/7“, einer für alle Besucher offenen Kreativwoche, und schließlich mit ihrer ersten eigenen Ausstellung, einer Installation von Michael Beutler. Der Objektkünstler hatte die radikal ausgeräumte Kunsthalle mit neuen Möbelobjekten versehen und das Kirchenschiff mit einer umlaufenden Sitzbank ausgestattet, die den Ausstellungsraum zur Aktionsarena transformiert. Für „Parabelkonferenz“, die Startperformance von Pablo Helguera, sind Beutlers Bankobjekte zum Set für eine Kunstaktion umgruppiert worden.

Was hat sich mit Julia Draganovic in der Kunsthalle Osnabrück geändert? Lesen Sie hier den Kommentar.

So bleibt das ganze Projekt ein Wechsel auf die nächsten Wochen. Eine kohärente Ausstellung darf der Besucher nicht erwarten. Dafür sind etwa Porzellanobjekte von Cheryl Pope oder Performancefotos von Luigi Presicce auch einfach zu heterogen. Der Besucher wird mit einer blauen Broschüre auf die Reise geschickt. Das stylische Heft enthält Performance-Kalender nebst Info-Häppchen – und allen Ernstes den Persönlichkeitstest „Welcher Performance-Typ bin ich?“. Wer da an sich selbst zweifelt, kann sich immer noch mit Joseph Beuys Mut zusprechen: Auch ich bin ein Künstler!

Osnabrück, Kunsthalle: Was für ein Fest? Eröffnung: Sonntag, 8. Februar, 11 Uhr. Bis 29. März. Di., 13–18 Uhr, Mi.–Fr., 11–18 Uhr, Sa., So., 10–18 Uhr. www.osnabrueck.de/kunsthalle


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN