Sönke Wortmanns neuer Film Helikopter-Eltern im Kino: „Frau Müller muss weg!“ im Kino

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Eine Lehrerin im Visier der Eltern: Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide) hat einen schweren Stand. Foto: Constantin FilmEine Lehrerin im Visier der Eltern: Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide) hat einen schweren Stand. Foto: Constantin Film

Osnabrück. „Wahrscheinlich die Wechseljahre.“ In Therapie soll die Lehrerin auch sein. Und vor der Klasse in Tränen ausgebrochen! Für die fünfköpfige Eltern-Gesandtschaft steht fest: „Frau Müller muss weg!“

Was klingt wie mutiges Eingreifen in verkrustete Schulstrukturen, ist in Wahrheit der Schlachtruf kontrollwütiger „Helikopter-Eltern“, die nur das Beste (sprich: Gymnasialempfehlung) für ihre Kinder und vor allem fürs eigene Ego wollen. In seiner etwas anderen „Schul-Komödie“ über einen Elternabend zeigt Regisseur Sönke Wortmann die Schule des 21. Jahrhunderts als Sammelbecken elterlicher Neurosen zwischen Ehrgeiz und ADHS. (Weiterlesen: Warum „Helikoptereltern“ ihre Kinder gefährden)

„Hörst du die Mama?“, ruft zu Beginn Marina Jeskow (Mina Tander) in ihr Handy, kaum dass sie und Gatte Patrick (Ken Duken) das Familiennest verlassen haben. Karrierefrau Jessica Höfel (Anke Engelke), ein Kontrollfreak mit chronisch abwesendem Gatten, ernennt sich auf dem Pausenhof flugs zur „Elternsprecherin“ der Gruppe. Und so nimmt das Schicksal an der Dresdener „Juri-Gagarin-Grundschule“ seinen Lauf.

Fünf Eltern-Desperados

Basierend auf dem gleichnamigen Erfolgsstück von Lutz Hübner (mit Oliver Ziegenbalg verantwortlich fürs Drehbuch), geht es in „Frau Müller muss weg!“ nicht um Kinder, sondern um Eltern, die angesichts ständig wachsender Anforderungen ihre Verunsicherungen auf das Problemfeld Schule verlagern. (Weiterlesen: Fünf Ursachen, warum Eltern heute so unsicher sind)

Dem gegenüber steht Grundschullehrerin Ute Müller, die die Forderung nach kurzfristiger Abgabe der Klasse nicht akzeptiert. Im Part der patenten Pädagogin spielt Gabriela Maria Schmeide sämtliche Facetten von geduldiger Zuhörerin bis resoluten Lehrperson aus.

Ebenso vielschichtig kommen die fünf Eltern-Desperados rüber, die zum Selbstfindungstrip durch Schulflure, Sporthalle und Schwimmbecken aufbrechen. Da ist die zur Hysterie neigende Marina, die am liebsten ins heimatliche Köln zurückziehen würde. Der arbeitslose Wolf Heider (Justus von Dohnanyi) personifiziert den gefrusteten „Ossi“, der seine Energie auf die Schulkarriere der Tochter konzentriert und mit Klassenprimus-Mutter Katja Grabowski (Alwara Höfels) eine Affäre hat.

Für komische Momente sorgt vor allem Anke Engelke. „Ich suche Frau Müller“, erklärt sie dem verblüfften Hausmeister (Rainer Galke) , als der die nach ihrem Handy tauchende Businessfrau im Schwimmbecken antrifft. Und so möchte man diesen kopflos agierenden Eltern am liebsten jenes Lied ans Herz legen, das diesen tragikomischen wie entlarvenden Film ein- und ausleitet: „Lasst doch der Jugend ihren Lauf“.

„Frau Müller muss weg!“, D 2014. Regie: Sönke Wortmann. Darsteller: Anke Engelke, Justus von Dohnanyi, Ken Duken, Gabriela Maria Schmeide, Mina Tander, Alwara Höfels u.a., 87 Min. FSK ab 6 J.


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