Bestseller mit Goethe-Buch Philosoph Rüdiger Safranski wird 70 Jahre alt



Osnabrück. Er ist der Mann für lesenswerte Bücher über große Denker: Rüdiger Safranski. Am 1. Januar 2015 wird Deutschlands populärster Philosoph 70.

Osnabrück. Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger, Schiller, zuletzt Goethe: Mit seinen Büchern über große Geister hat Rüdiger Safranski ein eigenes literarisches Genre, das der philosophischen Biografie, geschaffen. Fast nebenbei straft er mit seinen durchschlagenden Verkaufserfolgen das Gerede über den angeblichen Niedergang der Bildung und das im gleichen Maß nachlassende Interesse an vertiefender Reflexion Lügen. Safranskis dickleibige Monografien finden seit drei Jahrzehnten ihr Publikum. 2013 stürmte seine vorerst letzte Biografie „Goethe. Kunstwerk des Lebens“ die Bestsellerlisten. Am Neujahrstag wird Rüdiger Safranski 70 Jahre alt.

Safranskis Buch „Goethe. Kunstwerk des Lebens“ ist eine Offenbarung. Aber warum? Lesen Sie hier die Buchkritik.

Das Bedürfnis nach Philosophie ist nach Safranskis Eindruck ungebrochen. „Es gibt ein umso stärkeres Bedürfnis, je mehr es darum geht, die disparaten Perspektiven unserer Gegenwart zusammenzuführen. Man muss ja schließlich auch sein eigenes Leben führen. Der Wille zur existenziellen, lebbaren Synthese ist weiter vorhanden“, sagte der Philosoph in einem Interview mit unserer Redaktion. Dahinter steht nach Safranskis Diagnose die neue Frage nach Lebenskunst und einem ihrer wichtigsten Elemente – dem souveränen Umgang mit der eigenen Zeit.

Was können wir heute von Goethes Lebenskunst lernen? Im Interview erläutert Rüdiger Safranski seinen Weg zu einem souveräneren Leben.

„Da ist jeder gefordert, sich den Grundsatz zu eigen zu machen, nach dem weniger mehr ist. Wer für sich selbst durchsetzt, partiell nicht erreichbar zu sein, hat schon sehr viel erreicht“, sagte Safranski weiter in einem Interview mit unserer Redaktion. Dazu passt sein aktuelles Arbeitsprojekt, ein Buch über die Zeit, das im Herbst 2015 erscheinen soll. „Das wird ein Großessay, eine Betrachtung über das Verhältnis von existenzieller und öffentlich bewirtschafteter Zeit. Ich schaue auf die Beschleunigung unserer Zeit, die sich damit ergeben hat, dass wir in Echtzeit kommunizieren können“, sagte der Philosoph zu seinem Projekt.

Warum hat Rüdiger Safranski mit seinen Büchern einen solchen Erfolg bei den Lesern? Weil er sie mit auf die Reise des Denkens nimmt. Hier der Kommentar.

Dabei durchzieht das Thema der reflektierten Zeit eigentlich sein gesamtes Werk. Denn Safranski versteht es wie kein zweiter Autor, große Biografien als Erkundungsgänge durch ein Denkgebäude anzulegen, Lebenszeit und Zeitlosigkeit des Denkens als zwei Seiten ein und derselben Person zu analysieren. Damit schaffte er Haltepunkte der reflektierten Erinnerung, gerade mit seinen Büchern über Friedrich Nietzsche, 2000 pünktlich zum 100. Todestag erschienen, oder zu Martin Heidegger, dessen 1994 publizierte Biografie den sprechenden Untertitel „Ein Meister aus Deutschland“ trägt.

Martin Heidegger war ein großer Philosoph - und ein Mann mit einem erschreckenden Mangel an Empathie. Im Interview erläutert Rüdiger Safranski die Schattenseiten eines Genies.

Zuletzt verlegte sich der Autor, der in Berlin und Frankfurt Philosophie und Germanistik studierte, und von 2002 bis 2012 mit Peter Sloterdijk im ZDF das „Philosophische Quartett“ moderierte, ganz auf die deutsche Klassik. Schiller, Goethe, die Romantik: Rüdiger Safranski hat dieses Terrain wieder neu zugänglich gemacht – auch gegen manche aktuelle Zeitmode.


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