Verständnis für das Vergessen Til Schweigers „Honig im Kopf“ – zuviel gewollt?

Von Reinhard Westendorf



In seinem jüngsten Kinocoup „Honig im Kopf“ inszeniert Til Schweiger Altersdemenz als tragikomisches Mehr-Generationen-Märchen.

west Osnabrück. „Freude ist Dünger fürs Gehirn“ bekommt die elfjährige Tilda (Emma Schweiger) von ihrem Kinderarzt zur Antwort, als sie ihn fragt, was sie für ihren dementen Großvater tun kann. Und so unternimmt die pfiffige Enkelin mit ihrem geliebten Opa Amandus ( Dieter Hallervorden ) eine abenteuerliche Reise von Hamburg nach Venedig. Die romantische Lagunenstadt hat das Familienfossil in jungen Jahren gemeinsam mit seiner kürzlich verstorbenen Ehefrau Margarete bereist.

Seit ihrem Tod ist Amandus zunehmend verwirrt und vergesslich geworden. Und so kommt die Diagnose Alzheimer für den einzigen Sohn Niko (Til Schweiger) zwar nicht überraschend, aber doch schmerzlich und mit allerlei Konsequenzen. Zunächst im geräumigen Haus seiner Familie untergebracht, zeigt sich im Alltag, wie schwer es ist, mit der dauerhaften Beanspruchung richtig umzugehen. Nur Tilda hat damit keine Probleme und vermittelt dem seine Demenz durchaus bewussten Opa das Gefühl, geliebt und gebraucht zu werden. Umso größer ist ihre Enttäuschung, als sie erfährt, dass ihre überforderten Eltern ihn in ein Pflegeheim geben wollen.

Til Schweiger zeigt sich wie immer bei seinen von ihm selbst produzierten, geschriebenen und inszenierten Filmen sehr ambitioniert. In „Honig im Kopf“ bietet er ganz besonders viel: ein gesellschaftlich akutes Thema, eine deutsche Star-Besetzung, attraktive Drehorte, schickes Set-Design, gefällige Popsongs, deftige Witze, knallige Explosionen und sehr viele verständnisvolle Menschen.

Eine zugegeben publikumswirksame Mehr-Generationen-Inszenierung, die ein derartiges Zuviel allerdings gar nicht nötig gehabt hätte. Denn in seinem eigentlichen Thema Demenz und dem einnehmend aufspielenden Opa-Enkelin-Gespann zeigt sich der Film stark und bewegend. Etliche Aspekte der Krankheit sind trotz märchenhaftem Umfeld realitätsnah dargestellt. Und so ist „Honig im Kopf“ auf keinen Fall ein Film zum Vergessen.

Honig im Kopf. D 2014, R:
Til Schweiger. D: Dieter Hallervorden, Emma Schweiger, Til Schweiger; 139 Min., ab 6 Jahren.


Honig im Kopf. D 2014, R:Til Schweiger. D: Dieter Hallervorden, Emma Schweiger, Til Schweiger; 139 Min., ab 6 Jahren.

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