Moses im Gewitter der Tricktechnik Ridley Scotts Bibeladaption „Exodus: Götter und Könige“



Osnabrück. In seinem monumentalen Fantasy-Abenteuer „Exodus: Götter und Könige“ legt Regisseur Ridley Scott das Zweite Buch Mose ziemlich frei aus.

Die Sache mit dem Weidenkörbchen, in dem Moses als kleines Baby auf dem Nil ausgesetzt wird, ist keine Herausforderung für einen Regisseur, der es gerne gleich zu Beginn seiner Monumentalwerke ordentlich krachen lässt. So lässt sich Ridley Scott („Königreich der Himmel“) schon zum Auftakt seiner sehr freien, monumentalen Historien- und Bibeladaption nicht lange bitten. Datiert auf die Zeit um 1300 vor unserer Zeitrechnung, führt Scott seinen Moses ( Christian Bale , „Batman“, „American Hustle“) als Bruder von Ramses (Joel Edgerton) im altägyptischen Memphis ein, von wo aus er die beiden gemeinsam in eine Schlacht gegen die Hethiter ziehen lässt. Ramses, der später einmal Pharao und Gott zu werden gedenkt, macht in diesem Kampf keine gute Figur. Moses muss ihn retten, was wohl ein wenig an Ramses’ Selbstbewusstsein knabbert.

Klar, dass es zwischen den beiden später zum Zerwürfnis kommen muss. Zumal die Wahrheit mit dem Weidenkörbchen doch irgendwann herauskommt. Moses ein Hebräer? Ein Abkömmling jenes Sklavenvolkes, das seit 400 Jahren fleißig all die Pyramiden und Riesenstatuen für die herrschenden Ägypter baut? Schon vor seiner Verbannung lernt er in Pitom einen alten, weisen Mann (Ben Kingsley) kennen, der eine seltsame Religion pflegt und noch seltsamere Dinge prophezeit. Aber erst einmal muss Moses noch eine Familie gründen und wieder verlassen, um einen asymmetrischen Krieg gegen die Unterdrücker anzuzetteln, den er natürlich niemals ohne Gottes Hilfe gewinnen kann.

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Es kracht und blitzt und donnert nach allen Regeln der Tricktechnik. Für historische oder gar etwaige religiöse Feinheiten zeigt Scott hingegen wenig Gespür. Hier werden lediglich zahlreiche Motive aus dem Alten Testament mit einigen mehr oder weniger belegten historischen Thesen verknüpft. Das Ergebnis ist vom Genre her ein wuchtiges, monumentales Fantasy- und Action-Abenteuer, bei dem die Tricktechnik eine große Rolle spielt, Dramaturgie und schauspielerische Leistungen hingegen gerade einmal auf ihr notwendiges Mindestmaß geschrumpft werden. Da kann auch „Batman“ Bale nicht viel reißen. Immerhin hat sein Moses das Zeug zum Leinwand-Superhelden. Im Marvel-Kosmos ist mit Sicherheit noch ein Plätzchen frei.

Sowieso ist Scotts Moses-Version nichts für religiöse Sensibelchen. Gott erscheint Moses fortwährend als nervig-neunmalkluger Bubi mit Schrammen im Gesicht, der in dieser Inszenierung wirklich keine Sympathiepunkte sammeln kann. Dafür entfesselt Scott mit seinen fulminanten Spezialeffekten vor allem in der Darstellung der zehn Plagen den Gott aus der Computermaschine, auf dass den Zuschauern die Heuschrecken nur so um die Ohren fliegen. Aber Hand aufs Herz – wofür sonst löst man bei so einem 3-D-Spektakel die Eintrittskarte?

Exodus: Götter und Könige (3-D). USA/GB 2014. R.: Ridley Scott. D.: Christian Bale, Joel Edgerton, Ben Kingsley, Tara Fitzgerald. 151 Minuten, ab 12 Jahren.


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