David Chipperfield leitet Arbeiten Neue Nationalgalerie wird saniert

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Markanter Bau unweit des Potsdamer Platzes in Berlin: die Neue Nationalgalerie. Foto: dpaMarkanter Bau unweit des Potsdamer Platzes in Berlin: die Neue Nationalgalerie. Foto: dpa

bkl Berlin. Am kommenden Silvestertag schließt die Neue Nationalgalerie bis auf Weiteres wegen dringend notwendiger Sanierungsarbeiten. Für die Renovierung wurde Stararchitekt David Chipperfield gewonnen.

Geplant in Chicago, ursprünglich gedacht als Konzernzentrale des Rumherstellers Bacardi in Santiago de Cuba, nach der kubanischen Revolution verworfen und 1968 realisiert als Neue Nationalgalerie in Berlin: Der 50 x 50 Meter große, streng geometrische Entwurf des deutsch-amerikanischen Architekten Ludwig Mies van der Rohe hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Heute gilt er als Paradebeispiel der Nachkriegsarchitektur in der deutschen Hauptstadt.

Die Ausstellungsgeschichte reicht von der Eröffnungsschau mit Piet Mondrian über den legendären Blockbuster „Das MoMA in Berlin“ im Jahr 2004 bis hin zur spektakulären Retrospektive Gerhard Richters 2012. Für Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, eine Geschichte voller Segnungen, aber auch gelegentlicher Tiefpunkte.

Am kommenden Silvestertag schließt die Neue Nationalgalerie wegen dringend notwendiger Sanierungsarbeiten. „Wir wissen schon, was wir vermissen werden“, so Eissenhauer. Aber: „Wir freuen uns, dass erkannt wurde, dass wir dieses Haus von Grund auf sanieren müssen, wenn wir es für die nächsten Generationen sichern wollen.“

Für die Renovierung konnte der britische Architekt David Chipperfield gewonnen werden . Chipperfield vergleicht seine Aufgabe mit der Restaurierung eines Oldtimers: „Ich fühle mich so wie ein Kfz-Mechaniker, der einen wunderschönen Mercedes 1965 in die Werkstatt gestellt bekommt.“ „Doch“, so Eissenhauer, „es geht nicht darum, einen Porsche-Motor einzubauen. Sie werden unter Umständen in das Gebäude hereinkommen und sich fragen: Was ist denn hier neu?“ So wird es auch nach der Renovierung bei der Einfachverglasung in der oberen Halle bleiben. Was an zusätzlicher Isolierung nötig ist, verstecken die Architekten in den alten Profilen.

Auch Udo Kittelmann, der Direktor der Nationalgalerie, hält die Renovierung für „bitter notwendig“. „Dieses Gebäude konnten wir sicherlich so nicht weiter betreiben.“ Institutionell bleibt die Neue Nationalgalerie über den gesamten Bauzeitraum erhalten und weicht mit großen Ausstellungsprojekten auf andere Häuser der Staatlichen Museen aus. So ist ab Mai 2015 in der Alten Nationalgalerie die Ausstellung „ImEx“ mit gut 160 impressionistischen und expressionistischen Meisterwerken deutscher und französischer Künstler geplant. Ab Herbst 2015 werden dann Teile der Sammlung der Klassischen Moderne und der Nachkriegskunst im Hamburger Bahnhof auf 800 Quadratmetern im halbjährlichen Wechsel unter dem Label „Neue Galerie“ präsentiert.

Im Januar 2015 beginnt zunächst eine rund einjährige Abbauphase. Die circa 1600 zurzeit im Haus untergebrachten Kunstwerke inklusive der Großskulpturen etwa von Henry Moore und Alexander Calder müssen demontiert und in Depots gebracht werden. Alle von Mies van der Rohe entworfenen Originalelemente wie Türgriffe, Sitzmöbel oder Garderoben aus englischer Mooreiche werden gesichert. Im Anschluss daran rechnet Eissenhauer mit einer Bauzeit von drei bis vier Jahren.

Die Kosten, so Eissenhauer, liegen „im hohen zweistelligen Millionenbereich“. Die Mittel dafür werden aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt. Wobei die Finanzierung nicht endgültig gesichert ist. Es kann also, ähnlich wie auch bei der Restaurierung eines Oldtimers, zu unliebsamen Überraschungen kommen. Bleibt zu hoffen, dass das Gesamtprojekt nicht zu einem Fass ohne Boden wird.

Info:www.smb.museum


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