„Die Entdeckung der Unendlichkeit“ neu im Kino Stephen Hawkings Reise zum Glück



Osnabrück. Szenen einer ungewöhnlichen Ehe: „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ erzählt von der Lebens- und Liebesgeschichte des brillanten, jedoch an einer tückischen Nervenkrankheit leidenden Wissenschaftler Stephen Hawking und seiner Frau Jane Wilde. Schon jetzt gilt der Film als heißer Oscar-Kanidat. Zu Recht.

„Ihr Verstand wird intakt bleiben. Sie werden sich jedoch bald nicht mehr mitteilen können. Ihre Lebenserwartung liegt bei durchschnittlich zwei Jahren. Es tut mir leid.“ Als ein Arzt dem Cambridge-Studenten Stephen Hawking (Eddie Redmayne) diese Diagnose mitteilt, bricht für den Physiker eine Welt zusammen. Erst Anfang 20, rückt plötzlich der Tod nahe. Es wird, so der Mediziner, „eine bittere Niederlage werden“. Eine Aussicht auf Heilung gibt es nicht.

Muskelschwund, Bewegungsunfähigkeit, am Ende Ersticken: Mit diesen Zukunftsaussichten im Blick schrumpft Stephen Hawkings reale Welt auf die Größe eines Rollstuhls zusammen. Für den Mann, der gedanklich zu den Sternen reist, wird das irdische Leben immer eingeschränkter.

Jedoch: Während sein Geist in abstrakte unendliche Weiten reist, vermittelt ihm die Liebe zur Kommilitonin Jane Wilde (Felicity Jones) menschliche Wärme, erdet ihn. So heiraten die beiden, trotz der fortschreitenden Krankheit, bekommen sogar drei Kinder. Und: Hawking wird durch sein Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ zum Bestsellerautor. Doch gleichzeitig plagen Stephen schwere Schicksalsschläge: Durch eine Lungenentzündung kann er nicht mehr sprechen, die Krankheit entfremdet ihn von seiner Frau, die wiederum Trost bei einem Familienfreund sucht. Dennoch: Auch mit heute 72 Jahren überstieg Hawking nicht nur die Erwartungen seiner Ärzte, sondern auch die vieler anderer Menschen.

Sein Schicksal ließ Stephen Hawking zu einem Medienstar werden – als Buchautor, der schwierige Astrophysik verständlich erklärt, als Gaststar in TV-Serien wie „The Big Bang Theory“, „Star Trek“ oder den „Simpsons“. Auch war sein Leben bereits Gegenstand von Verfilmungen. 2004 spielte ihn etwa Benedict Cumberbatch in einem TV-Drama, 1991 beschäftigte sich Errol Morris in einem Dokumentarfilm mit ihm.

„In guten und schlechten Tagen“: Die Verfilmung der Autobiografie von Hawkings erster Frau bildete nun die Grundlage für „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ . Womit Regisseur James Marsh, der für den Dokumentarfilm „Man on Wire – Der Drahtseilakt“ 2009 einen Oscar erhielt, sich wieder für die begehrte Auszeichnung ins Gespräch bringen dürfte. Vier Golden Globe-Nominierungen gelten bereits als Vorzeichen. Auch Thema und Darstellung des Biopic erhöhen die Chancen: Hollywood schätzt Filme über Menschen, die über sich hinauswachsen. Und in diesem Falle wäre eine solche Entscheidung durchaus gerecht.

Gekrönt von grandiosen schauspielerischen Leistungen, besonders natürlich von Eddie Redmayne („My Week with Marilyn“) in der Hauptrolle, umschifft der Film dabei zwar nicht ganz die Klippen der Sentimentalität, aber er zerschellt nicht daran.

Was bleibt, ist ein außergewöhnliches Leben in einem bewegenden, teilweise auch Tränen ziehenden Film, der dabei vor allem aber auch eins ist: ein Plädoyer für Geist und Herz.

„Die Entdeckung der Unendlichkeit“. (GB 2014). R: James Marsh. D: Eddie Redmayne, Felicity Jones, Tom Prior. 123 Minuten. FSK: o. A.

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