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23.12.2014, 15:08 Uhr IM PANTHEON DER POPULÄRKULTUR

Musikwelt ebnet Joe Cockers Weg zum Nachruhm

Ein Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann


Rock-Röhre am Mikro: Joe Cocker 1999 bei einem Konzert in Hamburg. Foto: dpaRock-Röhre am Mikro: Joe Cocker 1999 bei einem Konzert in Hamburg. Foto: dpa

Osnabrück. Die Musikwelt trauert um Joe Cocker - und verklärt ihn mit Floskeln der Hochkultur. Ein Widerspruch? Keineswegs. Ein Kommentar.

Ewige Jugend war das Gründungsversprechen des Rock ’n’ Roll. Doch inzwischen hat es die rebellische U-Musik mit der Ewigkeit – zumindest immer dann, wenn einer ihrer Protagonisten von der irdischen Bühne abtritt. Die Reaktionen auf Joe Cockers Tod markieren einen aufschlussreichen Kulturwandel. Mit verschwitztem Shirt und einem Gesang, der als Schrei explodieren konnte, verkörperte Cocker Rock als Haltung des Widerstands gegen jede Konvention. Der echte Rocker pfiff auf höhere Heilsversprechen. Jetzt holen sie ihn ein – als Welle von Nachrufen, die zeigen, dass auch der Rock sein eigenes Jenseits besitzt.

Theologischer Weihe bedarf es dafür nicht, es genügen bereits Anleihen bei Deutungsformen der Hochkultur, die von jeher einen engen Bezug zu vermeintlich ewigen Werten besitzt. Erstaunlich hochkulturell nimmt sich nun aus, was Stars von Bette Midler bis Udo Lindenberg nach Cockers Tod äußern. Galaktisch, global, unwiederbringlich: Mit Floskeln, die sonst Klassikern von Michelangelo bis Goethe gelten, wird Cocker zur Ruhe im Kulturkanon geleitet. Ähnliches war nach dem Ableben von Udo Jürgens zu beobachten. Die Populärkultur besitzt längst ihr eigenes Pantheon – mit Cocker und Jürgens als jüngsten Verstärkungen.


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