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21.12.2014, 17:49 Uhr

Doppelt schade

Ein Kommentar von Daniel Benedict


Friedrich Schiller (Florian Stetter) mit seinen geliebten Schwestern, gespielt von Henriette Confurius und Hannah Herzsprung (von links). Foto: VerleihFriedrich Schiller (Florian Stetter) mit seinen geliebten Schwestern, gespielt von Henriette Confurius und Hannah Herzsprung (von links). Foto: Verleih

Osnabrück. Schade ist, dass „Geliebte Schwestern“ es nicht zu den Oscar-Anwärtern geschafft hat, aber auch, dass Regisseur Dominik Graf mit diesem Film vorgeschlagen wurde.

Dominik Grafs „Geliebte Schwestern“ sind von der Academy nicht in die Auswahlliste der Oscar-Anwärter aufgenommen worden. Schade. Es ist aber auch schade, dass Graf ausgerechnet mit seinem Schiller-Film vorgeschlagen wurde. Welche Werke ins Rennen für den Auslands-Oscar geschickt werden, entscheiden nämlich die Vertreter der produzierenden Nationen selbst. Und die deutschen Juroren haben dabei ein Faible für entschieden deutsche Stoffe – weil die Erfahrung zeigt: Hollywood honoriert gerade das mit Oscars für Filme über den Weltkrieg („Die Blechtrommel“), die jüdische Emigration („Nirgendwo in Afrika“) oder die Stasi („Das Leben der Anderen“).

Dominik Graf passt eigentlich nicht in diese Liste. Unter den deutschen Filmemachern bekennt sich kaum einer so deutlich wie er zu den Tugenden Hollywoods, zu Publikumsnähe, Unterhaltungsanspruch und Schaulust des Genre-Kinos.

Für die Oscars wurde er aber nicht mit einem Thriller vorgeschlagen – sondern mit einer bildungsbürgerlichen Liebesgeschichte im Setting der Weimarer Klassik.

Mit einem Oscar wäre die Strategie immerhin aufgegangen. Nun bleibt nur die Wirkung nach innen.


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