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21.12.2014, 17:38 Uhr KOLUMNE

Shakespeares „Wintermärchen“ in Mülheim


Theaterdirektor Roberto Ciulli vom Theater an der Ruhr in Mülheim. Foto: dpaTheaterdirektor Roberto Ciulli vom Theater an der Ruhr in Mülheim. Foto: dpa

G.H. Mülheim. Kälte zerstört die Figuren, macht sie zu Marionetten des Misstrauens in Roberto Ciullis Inszenierung von Williamk Shakespeares „Wintermärchen“ im Mülheimer Theater.

In diesem „Wintermärchen“ ist nichts von Wärme zu spüren. Kälte zerstört die Figuren, macht sie zu hilflosen Marionetten ihres Misstrauens. Liebe endet in einer Katastrophe, gezündelt von Eifersucht. Roberto Ciulli hat Shakespeares Stück in Mülheim mit zupackender Bildhaftigkeit aufgeladen. Gralf-Edzard Habbens Bühnenbild ist ein diagonal den Raum beherrschender Biertisch. An ihm nimmt ein alter Mann Platz. Das Leben liegt hinter ihm. Was er erlebt und zerstört hat, zeichnet ein junger Mann nach – sein jugendliches Alter Ego. Im Hintergrund liegt eine Frau auf einer Art Altar. Aufgebahrt, wie es scheint.

Doch sie lebt, lebt das Leben einer Spieluhr-Figur. Sie klappt oft zusammen, richtet sich immer wieder auf und bewegt sich im Rhythmus einer Kunstfigur. Es ist Hermione, von der ihr Mann Leontes glaubt, sie habe ihm mit dem Freund und Gast Polixenes Hörner aufgesetzt und ein Kind gezeugt. Die Eifersucht zerfrisst ihn. Perdita, der „Bastard“ soll sogar sterben. Doch sie wird leben, 16 Jahre später wieder auftauchen und Florizel, Polixenes’ Sohn, heiraten. Märchenhaft.

In die lange vor Hass brodelnde Stimmung, die Ciulli nur selten verbal explodieren lässt, meist nur durch spannungsgeladene Pausen, Blicke und Körperhaltungen des grandiosen Ensembles kenntlich macht, überrascht seine Inszenierung einmal mehr mit verblüffenden Einzelszenen. Clowneske Einsprengsel halten sie zudem durchgehend in einer märchenhaften Schwebe. Es ist oft zum Heulen, aber ebenso oft zum Lachen. Ciulli stellt die Figuren dabei nie bloß oder verurteilt sie gar. .Ein großer Menschenfreund auch in dieser Inszenierung. Weise geworden nicht erst mit 80.

Weitere Aufführungen: 27. 12., 24. 1.; Karten 0208 – 599 01 88; 1 Std. 50 Min., ohne Pause; www.theater-an-der-ruhr.de


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