Ausstellungen als Feld für Aktionen Kunsthalle und Nussbaum-Haus mit Programm 2015

Von Dr. Stefan Lüddemann


Osnabrück. Schauen, hören, trinken, essen, diskutieren, lesen, erzählen – in einer Kunstausstellung? Genau das wird aber ab dem 8. Februar 2015 in der Kunsthalle Osnabrück passieren. Das zeigt die Vorschau auf das Jahresprogramm, in dem Kunsthalle und Felix-Nussbaum-Haus auch miteinander kooperieren.

Mit der Installation von Michael Beutler hat Kunsthallen-Direktorin Julia Draganovic dem Projekt „Was für ein Fest?“ (8. Februar bis 29. März) die perfekte Bühne bereitet. Installationskünstler Beutler hatte unter anderem alte Wandpaneele zu einer umlaufenden Bank verarbeitet, der jetzt den Kirchenraum der Kunsthalle zu einer Arena macht. In dieser Arena werden Künstler ein Performanceprogramm inszenieren, das aus Besuchern Akteure machen soll. Für das Projekt hat sich Julia Draganovic mit Pablo Helguera immerhin einen Vermittlungsspezialisten vom New Yorker Museum of Art geholt. Kunst als Aktion und Beteiligung: Dieses programmatische Credo der Kunsthallenleiterin soll mit dem Ausstellungsprojekt fassbare Kunstwirklichkeit werden. „Wir stellen dafür die Vermittlungsarbeit weit in den Vordergrund“, verspricht Draganovic.

Wie hat der Installationskünstler Michael Beutler die Kunsthalle Osnabrück inszeniert? Lesen Sie hier die Ausstellungskritik.

Einen anderen Akzent setzt die Kuratorin mit „konkret mehr Raum!“ (13. Juni bis 13. September). Die von Elisabeth Lumme und Valérie Schwindt-Klevemann konzipierte Schau, die in Kunsthalle und Felix-Nussbaum-Haus ausgerichtet werden wird, zeigt Installationen, die das Denken der Konstruktiven Kunst in die Gegenwart fortsetzen, darunter Beiträge von Pedro Cabrita Reis und Susanne Tunn. Installativ arbeitet auch Arcangelo Sassolino, der ab Oktober sein „Time Tomb“, einen gigantischen Taktmesser, in der Kunsthalle errichten wird. Ebenfalls im Oktober wird in der Kunsthalle das Projekt des Künstlerkollektivs „Irwin“ starten. Das Kollektiv wird auf die Ästhetik der Kunsthalle antworten – in einem Projekt, das Osnabrück mit den weiteren Ausstellungsorten Modena und Gdansk zusammenbringen wird.

Wie sieht eigentlich das neue Logo über dem Eingang der Kunsthalle aus? Schauen Sie sich hier an, was die Künstlergruppe „Irwin“ für Osnabrück gestaltet hat.

Unterdessen unternimmt Museumsleiterin Eva Berger mit ihrem Team den Versuch, Werke des Osnabrücker Malers Felix Nussbaum (1904– 1944) mit anderen künstlerischen Positionen ins Gespräch zu bringen. Ab dem 29. März werden Bilder Nussbaums mit Werken seines Professors an der Berliner Akademie, Hans Meid , und mit Bildern von Rudi Lesser und Gunter Böhmer im Nussbaum-Haus ausgestellt. Mit der Präsentation soll die Entstehung von Nussbaums künstlerischer Position rekonstruiert werden.

Was macht das Felix-Nussbaum-Haus so sehenswert? Lesen Sie hier die Architekturkritik.

„Bonjour Nussbaum“ heißt es ab September 2015. Die Installation von Grigorij Berstein in zwei Sälen des Nussbaum-Hauses macht die Isolation des später in Auschwitz ermordeten Künstlers in seinem belgischen Exil zur gegenwärtigen Erfahrung. Der Künstler wird Bilder Nussbaums mit einer barocken Wolkendecke konfrontieren. Motivkomplexe aus Nussbaums Bildern sollen auf die biografische Situation des Künstlers verweisen.

Gerade die Projekte in der Kunsthalle kosten viel Geld. Wie Julia Draganovic sagte, wird die erste Ausstellung des Jahres von der Bohnenkamp-Stiftung gefördert. Weitere Mittel sollen nach ihren Worten für die Ausstellungsprojekte eingeworben werden. Draganovic: „Wir müssen wachsen.“