Band ohne demenzkranken Malcolm Young AC/DC mit Album „Rock or Bust“: Langsam reicht‘s!


Osnabrück. AC/DC ist zurück. Zumindest teilweise. Gründer und Ex-Bandleader Malcolm Young ist nicht mehr dabei. Demenz. Und Schlagzeuger Phil Rudd hat Probleme mit der Justiz. Auf der anstehenden Welttournee dürfte er fehlen. Alles kein Problem, stellt die Band mit ihrem neuen Album „Rock or Bust“ unter Beweis. AC/DC funktioniert immer noch. Doch so langsam reicht es dann auch mal.

Irgendwie sei sein Bruder bei den Aufnahmen dabei gewesen, sagte Gitarrist Angus Young in einem der zahllosen Werbe-Interviews zum neuen Album. Nicht persönlich, denn Malcolm lebt mit seinen 61 Jahren in einem Pflegeheim irgendwo in Australien. Aber sein Geist sei mit im Studio gewesen.

Der Geist, der die genialen Riffs erfand, die Musikgeschichte schrieben, und genau diese mittlerweile wieder vergessen hat. Es ist eine traurige Geschichte. Vielleicht noch trauriger als das Ende des ehemaligen Sängers Bon Scott, der sich Anfang der 1980er zu Tode trank.

Das mittlerweile 16. Album

Schon damals machte die Band einfach weiter. Genau so macht sie es auch jetzt. „Rock or Bust“ ist das 16. Album. Ein Album, das sein Bruder genauso gewollt hätte , sagte Angus Young in einem weiteren dieser zahllosen Interviews. Und er hat recht: Die zusammengenommen 35 Minuten langen elf Lieder sind nicht innovativ, bieten keine Überraschungen und klingen wie immer. Ganz AC/DC eben: Immer alles im engen Korsett des Rock’n’Roll, aber das verdammt gut.

Sechs Jahre nach der letzten Platte „Black Ice“ zeigt sich Angus Young in Spiellaune. Neffe Stevie Young als Ersatz für Onkel Malcolm fällt nicht weiter auf. Sänger Brian Johnson, dessen Stimmbänder eigentlich immer als Schwachstelle der Band galten, klingt besser als noch zu Anfang dieses Jahrtausends.

Mehr Blues als Heavy Metal

Lieder wie das namensgebende „Rock or Bust“ oder das vorab veröffentliche „Play Ball“ fordern zum Mitnicken heraus. Mehr Blues als Heavy Metal. Die Texte sind infantil wie eh und je. Es geht um Alkohol, es geht um Sex, es geht um Rock’n’Roll. Der Stoff eben, aus dem AC/DC-Lieder bestehen.

Hier und da blitzt eine Erinnerung an die großen Songs auf, die Malcolm Young erfand. „Baptism by Fire“ und „Miss Adventure“ sind zwei dieser Stücke mit Reminiszenzen beispielsweise an „Highway to Hell“. Letztlich aber blüht auch diesen Liedern das Schicksal ihrer Vorgänger von den vergangenen drei Alben: Auf der anstehenden Welttournee werden sie zu Füllstücken der übergroßen Klassiker degradiert.

Phil Rudd wird nicht fehlen

Es wird eben fast alles sein wie immer: Die Band wird wieder um den Globus fliegen, vor ausverkauften Arenen spielen. Angus Young wird trotz fortgeschrittenen Alters Abend für Abend seine Schuljungenuniform anziehen und die Soli herunterspielen. Dass Schlagzeuger Rudd fehlt, der derzeit durch zahnlose Auftritte in Neuseeländischen Gerichtssälen für Schlagzeilen sorgt? Es dürfte nicht weiter stören. Dass Malcolm statt auf der Bühne im Pflegeheim ist? Es sorgt für das nötige Quäntchen Melancholie.

Und danach? Es wäre der Band und ihren Fans zu wünschen, dass sich AC/DC in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Nicht noch ein Album, nicht noch eine Welttournee. „Rock or Bust“ wäre ein würdiger Abschied. Genau der ist vielen großen Rockbands nicht gelungen. „The Who“ beispielsweise. Oder „Kiss“. Sie alle quälen sich noch über die Bühnen. Wohl mehr zur Freude ihrer Geldbörsen als ihrer Fans. So einen Schrecken ohne Ende hätte AC/DC nicht verdient.


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