Ein Bild von Dr. Stefan Lüddemann
26.11.2014, 18:09 Uhr DAS RIGIDE REGIMENT DER BIGOTTERIE

Oberhausen streitet um Bilder von Nackten

Ein Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann


Osnabrück. Oberhausen hängt im Rathaus Bilder ab. Besucher haben sich über die abgebildeten Nackten beschwert. Keine Chance für die Freiheit der Kunst? Ein Kommentar.

Nein, ein Einwohnermeldeamt ist wahrlich kein Museum. Aber die Freiheit der Kunst darf ebenso wenig in Ausstellungshäusern kaserniert werden wie die Werte des freien künstlerischen Ausdrucks und der Toleranz. Oberhausener Gebäudemanager haben aber genau diese Grenzen gezogen, als sie harmlose Bildchen aus einem Behördenflur entfernen ließen. Ganz schön kleingeistig.

Und ganz schön aufschlussreich. Denn die Begründung macht sprachlos. Nach dem Diktat der biederen Behördenmänner hat der öffentliche Raum eine kontrastfreie Wohlfühlsphäre zu sein. Belästigung durch Kunst? Um Gottes willen, nein! Platz für Kontroversen? Wo kämen wir da hin! Oder Raum für die Begegnung mit allem, was unerwartet ist? Kein Gedanke! In Oberhausen regiert rigide Bigotterie – getarnt als behördliche Maßnahme.

So haben die Amtsvertreter nicht den Mut, für die Kunst einzutreten, die sie selbst für das Rathaus ausgewählt haben. Da fehlt es an Courage und Respekt. Auf Kritik an Kunst lässt sich anders reagieren. Zum Beispiel mit dem Angebot des Gesprächs. Seltsam nur, dass es nur um Nacktheit geht, nicht aber um die Frage, ob Mancinis Werke eigentlich gute Kunst sind. Das sind sie nämlich nicht.


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