Meisterkonzert in Osnabrück Geiger Daniel Hope spielt Musik aus Hollywood


Osnabrück. Zum ersten Meisterkonzert der laufenden Saison sind der Geiger Daniel Hope und die NDR Radiophilharmonie unter ihrem neuen Chef Andrew Manze nach Osnabrück gekommen. Auf dem Programm: viel Unterhaltung - und Stravinskys „Feuervogel.

Osnabrück. Ja, das geht wirklich zu Herzen. Sinfonischer Sound in Cinemascope, dazu schluchzt die Geige mit erregt vibrierendem Ton – so klingt der akustische Hintergrund für Gefühle, die größer sind als das Leben. Diesmal hat das Miklós Rósza für den Hichcock-Film „Spellbound“ komponiert –und Daniel Hope und die NDR Radiophilharmonie interpretieren mit Freude am dicken Pathos.

Amerika ist der Bezugspunkt beim Meisterkonzert in der Osnabrück-Halle.
Hope hat seine neueste CD mit „Escape to Paradise – The Hollywood Album“ betitelt und gibt das Motto fürs Programm vor. Filmmusik zu „Spellbound“, eine Suite aus Songs von Kurt Weill, beides arrangiert für Violine und Orchester, ja, selbst der Beginn mit Ernst von Dohnányis „Symphonischen Minuten für Orchester“ op. 36: Das hebt sich deutlich von der bildungsbürgerlich zementierten Konzertdramaturgie und ihren hehren Inhalten ab: Dieses Konzert unterhält – und das sehr gut.

Mackie ohne Messer

Lediglich den Weill-Songs tut das Unterhaltungsprogramm nicht gut. Hope und sein Ko-Arrangeur Paul Bateman haben sie zur glitzernden Showtreppe Daniel Hopes Geigenkünste auf Hochglanz poliert – aber Mackie in Frack, Zylinder und Lackschuh, dafür aber ohne Messer?

Zentrales Werk ist aber ja das Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold: Ein pfiffiger Zwitter, der Filmmusik und Revue aufgreift, gleichzeitig aber Hörer und Musiker gern mal in der freitonalen Schwebe hält. In erster Linie ist es aber ein Stück, in dem der Solist brillieren kann. Daniel Hope genießt das ausgiebig: Er hat den sonoren, inbrünstigen Ton und gleichzeitig die rasante Technik, die dieses Virtuosenstück zwingend verlangt. Und Andrew Manze und die NDR Radiophilharmonie sind aufmerksame Begleiter.

Tiefgang mit Stravinsky

Der einstige Barockgeigen-Star und neue Chefdirigent der Radiophilharmonie ist ein distinguierter, ein höflicher Mann. Deshalb überlässt er Hope das Feld vor der Pause mit Korngold und danach mit Weill –wohl wissend, dass seine halbe Stunde kommt. Igor Stravinskys frühe Ballettmusik „Der Feuervogel“ gibt dem frisch getrauten Dirigenten-Orchester-Paar die Gelegenheit für eine halbe Stunde voller später Romantik und archaischer Impulsivität, wie sie später den „Sacre“ ungefiltert prägen soll.

Manze setzt dabei unaufdringliche, deutliche Zeichen, das Orchester aus Hannover entwirft ein kontrastreiches Bild voller zarter, impressionistischer Farben, aber auch mit aggressiven, wuchtigen Erdtönen. Auf sehr schlaue Weise hat Manze so dem Solisten Daniel Hope viel Platz eingeräumt und ihm höflich den Vortritt gelassen. Aber den inhaltlichen Schwerpunkt mit musikalischem Tiefgang – den hat Manze für sich reserviert. Das Beste kommt halt oft zum Schluss.


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