Beispiele für spektakuläre Verkäufe Wie Firmen ihre Kunst zu Geld machen

Von Dr. Stefan Lüddemann

Rekordpreis für einen Giacometti: Der „Schreitende Mann“ erbrachte 74 Millionen Euro für die Commerzbank. Foto: dpaRekordpreis für einen Giacometti: Der „Schreitende Mann“ erbrachte 74 Millionen Euro für die Commerzbank. Foto: dpa

Osnabrück. Der Verkauf der Warhol-Bilder aus dem Bestand der Westspiel ist kein Einzelfall mehr. Hier ein Rückblick auf wichtige Transaktionen der letzten Jahre.

Für 120 Millionen Euro gingen sie bei der New Yorker Auktion weg - die Bilder „Triple Elvis“ und „Four Marlons“ von Andy Warhol. Die Transaktion hat im November 2014 eine Debatte um den Verkauf aus öffentlichen oder zumindest mittelbar öffentlichen Kunstsammlungen angestoßen. Kunstexperten befürchten, dass der Warhol-Verkauf die Begehrlichkeiten in Richtung anderer Werke beleben könnte. Nicht zum ersten Mal wird überlegt, auch Museumskunst zu veräußern.

Das war 2006 zum Beispiel in Krefeld der Fall. Für zwanzig Millionen Euro sollte Claude Monets „Parlamentsgebäude in London“ verkauft werden, um aus dem Erlös das Kaiser-Wilhelm-Museum zu sanieren. In letzter Sekunde stoppte der Rat das Projekt. Das impressionistische Gemälde blieb in Krefeld. Im gleichen Jahr kam ein anderer Deal zum Abschluss. Das Neue Museum Weserburg in Bremen veräußerte Gerhard Richters Gemälde „Matrosen“ für sechs Millionen Euro. Das Geld liegt noch heute auf der hohen Kante und soll für eine Sanierung des Museumsbaus eingesetzt werden. Der Fall sorgte allerdings für Wellen in den Medien. Der Rufschaden konnte bis heute nicht repariert werden.

Spektakulär fiel auch die Veräußerung der Kunstsammlung der ehemaligen Dresdner Bank aus. Nach der Übernahme des Kreditinstituts trennte sich die Commerzbank von der Kunstkollektion. Für Aufsehen sorgte vor allem die Versteigerung der Plastik „Schreitender Mann“ von Alberto Giacometti. Das Werk wurde 2010 für 74 Millionen Euro versteigert. Weitere Werke aus der Sammlung vergab die Commerzbank als Dauerleihgaben an verschiedene Museen. Ähnlich verfuhr 2009 die Frankfurter DZ Bank mit Teilen ihrer riesigen Fotosammlung. Über 200 Werke gingen an das Frankfurter Städel, das mit dieser Gabe eine neue Abteilung gründete.

Für aktuelle Aufregung sorgen Pläne des WDR, die wichtigen Stücke der eigenen, 600 Werke umfassenden Kunstsammlung zu verkaufen. Den Sender drückt ein Defizit. Intendant Tom Buhrow fährt einen harten Sanierungskurs. Verkäufe aus der Kunstsammlung sollen drei Millionen Euro bringen. Zu der Kollektion gehören Bilder von Emil Nolde und Max Beckmann, die in den fünfziger Jahren preiswert erworben wurden.