Detektiv Cormoran Strike ist zurück J. K. Rowlings Krimi „Der Seidenspinner“ erscheint

Von Elke Schröder

J. K. Rowling schrieb wieder als Robert Galbraith. Foto: dpaJ. K. Rowling schrieb wieder als Robert Galbraith. Foto: dpa

Osnabrück. Unter ihrem Decknamen Robert Galbraith erscheint am Montag, 24. November, der zweite Krimi um Privatdetektiv Cormoran Strike von „Harry-Potter“-Erfinderin J.K. Rowling auf Deutsch. Der zweite Fall ist spannender als der erste.

Die mediale Aufregung war groß, als die Britin J. K. Rowling vor einem Jahr ihren ersten Krimi „Der Ruf des Kuckucks“ auf Deutsch veröffentlichte. Dafür hatte ein Skandal gesorgt: Kurz zuvor war gegen den Willen der „Harry-Potter“-Erfinderin ihr Pseudonym für die Serie – Robert Galbraith – von einem Mitglied ihrer beauftragten Anwaltskanzlei verraten worden .

Unter entspannteren Bedingungen erscheint heute nun der zweite Band „Der Seidenspinner“ um den kantigen Privatdetektiv Cormoran Strike und seinen ehrgeizigen Assistenten Robin Ellacott. Rowlings Charaktere bewegen sich darin erneut in der Welt, die sie seit dem Weltbestsellererfolg der „Harry-Potter“-Fantasy-Reihe am besten kennt – und deren Protagonisten sie mitunter karikiert: die der Prominenten, die im Scheinwerferlicht stehen, und die der Medien, diejenigen also, die sie mitunter in grellen Farben abbilden. Diesmal steht im Vordergrund jedoch nicht – wie im Fall der getöteten Lula – das Topmodelgeschäft, sondern der Literaturbetrieb. Diesen zum Thema eines Romans zu machen ist derzeit auch im englischsprachigen Raum wieder en vogue, wie die jüngst im Herbst auf Deutsch erschienene „Booker-Prize“-Groteske „Der beste Roman des Jahres“ von Edward St. Aubyn bewies. Ebenso im Trend liegen Privatdetektive, die zuvor als Soldaten in den aktuellen Krisengebieten im Kampfeinsatz waren, ob in Afghanistan oder im Irak, und in den Alltag in der Heimat mit seelischen und körperlichen Verletzungen zurückkehrten.

Doch anders als Robert Wilsons neuer Ermittler Charles Boxer aus seinem Thriller „Stirb für mich“ übt Cormoran Strike keine Selbstjustiz. Er bleibt am Ende der Held, der stur für Gerechtigkeit kämpft.

Der zweite Fall „Der Seidenspinner“ spielt im Jahr 2010, acht Monate nach dem geklärten Lula-Landry- Mordfall, der dem finanziell klammen Mittdreißiger Strike Bekanntheit durch die Londoner Boulevardzeitungen verschaffte sowie neue Klienten bescherte. Der kriegsversehrte Afghanistan-Veteran und uneheliche Sohn eines Rockstars wird von der Frau des Romanautors Owen Quine beauftragt, ihren spurlos verschwundenen Mann zu suchen. Kurz zuvor hatte Quine seiner Agentin das Manuskript Romans „Bombyx Mori“ (Der Seidenspinner) ausgehändigt. Der Inhalt ist purer gesellschaftlicher Sprengstoff, der sein privates wie berufliches Umfeld bedroht. Der Seidenspinner sei eine Metapher für den Autor, hatte Quine gesagt, „der Höllenqualen erleiden muss, um etwas Gutes hervorzubringen“. Im Rückblick ein zynischer Kommentar auf das, was folgt: Strike findet den brutal zugerichteten Leichnam von Quine. Der Privatdetektiv begibt sich bei seinen Ermittlungen in die Londoner Verlagsszene – auf einen Jahrmarkt der gefährlichen Eitelkeiten, der Intrigen bis hin zum tödlichen Sadismus. In der Konsequenz nicht so grausam wie in Quines Schlüsselroman, doch ebenso kaltschnäuzig porträtiert Rowling höchst unterhaltsam scharfzüngig selbstgefällige Literaturagenten, arrogante Bestsellerautoren oder verpasst hochmütigen Selbstverlegern schmerzhafte Seitenhiebe. Im Unterschied zum ersten Band ermüdet die konventionelle Erzählstruktur im zweiten auch nicht, wenn Strike erneut am Ende nach Art eines hardboiled Krimis im Monolog eine lange Indizienkette ausbereitet und den Täter so aus der Reserve lockt. Denn die Reihe hat spürbar an Spannung und das Ermittler-Duo à la „Die Schöne und das Biest“ Robin/Cormoran deutlich an Kontur gewonnen.

Robert Galbraith: „Der Seidenspinner“. 672 Seiten. Blanvalet Verlag, 19,99 Euro.