Der neue Chef der Radiophilharmonie Hannover Andrew Manze: Durch die Hintertür zu Brahms und Co

Von Ralf Döring


Hannover. Der Dirigent Andrew Manze ist keiner jener absolutistischen Heroen, die für sich die unumschränkte Macht beanspruchen. Er wirkt eher bescheiden, höflich, humorvoll. Wesenszüge, mittels derer er seine Vorstellungen von Musik vermittelt, eine Art, mit der er für sich einnimmt. Deshalb hat ihn wohl die NDR Radiophilharmonie Hannover zum neuen Chefdirigenten bestimmt.

Viertel vor zwei schickt Andrew Manze seine Musiker nach Hause. Der Orchesterpart von Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert sitzt in seiner luziden Farbigkeit, er hat den Musikerinnen und Musikern der NDR Radiophilharmonie gesagt, was es zu dem Werk zu sagen gibt, warum also die Probe im Großen Sendesaal des NDR unnötig in die Länge ziehen? Den entscheidenden Kick sucht Manze ohnehin im Konzert. Oft findet er ihn auch – im Notentext.

Manze dirigiert nie auswendig. „Wenn ich das tue, erinnere ich mich nur an das, woran ich mich erinnern will. Habe ich die Partitur vor mir, entdecke ich auch während des Konzerts Neues. Das macht es spannend.“

Überhaupt sind es die unvorhersehbaren, die überraschenden Momente, die für Manze das Musizieren lebendig machen. „Ich muss als Dirigent hin und wieder ein klares Zeichen geben. Aber wenn die Soloklarinette ein Solo spielt, müssen die Musiker ihr zuhören und folgen“, sagt Manze. Womit er bei einem Ideal seiner Arbeit als Chef der Radiophilharmonie ist: Er versteht das Orchester als ein großes Kammermusikensemble, geprägt davon, dass die Musiker nicht am Stab des Dirigenten hängen, sondern aufeinander hören. Das weist Manze als ein Vertreter jener Dirigentengeneration aus, die nicht sich, sondern ihr Orchester in den Mittelpunkt stellen, und die wissen, dass der Dirigent keinen einzigen Ton produziert. Sir Simon Rattle denkt so, oder Hermann Bäumer, der einstige Musikchef am Theater Osnabrück und jetzige am Staatstheater Mainz. Oder eben Andrew Manze.

Ihn wünschte sich die Radiophilharmonie als Nachfolger von Eivind Gullberg Jensen , und in der Probe vermittelt sich der Eindruck: Orchester und Dirigent mögen sich. Ruhig erklärt Manze seine Vorstellungen, aufmerksam setzen die Musiker das um. Und auch für eine Schönberg-Anekdote bleibt Zeit.

Im ersten Musikerleben war Andrew Manze Geiger, ein anerkannter Spezialist für Alte Musik und historische Aufführungspraxis. Viele dieser Ensembles kommen ohne Dirigenten aus, brauchen allenfalls einen Leiter, der die Einsätze gibt, sei es vom Cembalo aus – oder vom Pult des ersten Geigers. „Mit dem Geigenbogen visualisiere ich schon die Musik“, sagt Manze – die Vorstufe zum Dirigieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Dirigenten aus dem Stall der Alten Musik benutzt Manze den Taktstock, als hätte sich der Geigenbogen zurückgebildet. Ob er die Geige vermisst? „Nicht einen Tag“, sagt er. „Ich hatte gedacht, das würde mich irgendwann einholen. Aber bis jetzt vermisse ich es nicht.“

Geblieben ist aber Manzes Zugang zur Musik. Er liebt die romantische Orchesterliteratur, aber er nähert sich ihr durch die Hintertür. „Wussten Sie, dass Brahms ein großer Bewunderer von Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein war?“ Von da aus betritt denn auch Manze die Brücke von der Renaissance zur Romantik, die Brahms geschlagen hat. Manze bleibt allerdings nicht bei Brahms stehen, sondern sucht die Musik, die im Konzertleben zu Unrecht unterrepräsentiert ist: Für eine Meisterkonzert-Tour mit dem britischen Geiger Daniel Hope gibt es Musik aus Hollywood – von Erich Wolfgang Korngold, Ernst von Dohnány, Kurt Weill. Denn nur so bleibt das Konzertleben spannend – für Zuhörer und Musiker.

Meisterkonzert in Osnabrück: „Hollywood Sounds“. Andrew Manze, Daniel Hope, NDR Radiophilharmonie. 25. November, 20 Uhr, Osnabrückhalle. Kartentelefon: 0541/349024


Kartenverlosung:

NOZ Medien verlost 5 mal 2 Karten für das Meisterkonzert mit Daniel Hope und der NDR-Radiophilharmonie unter Andrew Manze.

Sie können per Telefon oder per SMS teilnehmen: Rufen Sie uns unter der Nummer 0137808401394 (0,50 €/Anruf aus dem deutschen Festnetz, Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen) an und hinterlassen Sie Name, Adresse, Telefonnummer und das Stichwort hope.

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Teilnahmeschluss ist am Montag, 24. November, 24 Uhr. Die Gewinner werden benachrichtigt. Mitarbeiter der NOZ Medien und deren Angehörige dürfen nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.