Band kommt nach Halle und Lingen Johannes Strate von Revolverheld im Interview

Haben sich etwas ausgedacht: Revolverheld ist mit dem neuen Album auf Tour. Foto: SchnermannHaben sich etwas ausgedacht: Revolverheld ist mit dem neuen Album auf Tour. Foto: Schnermann

Osnabrück. Seit 2002 musizieren Johannes, Kristoffer, Niels und Jakob miteinander, seit Ende 2004 unter dem Namen Revolverheld. Seitdem steigern sie ständig ihre Popularität. Mit Liedern wie „Spinner“ und „Freunde bleiben…“ eroberten sie sich einen Platz im deutschen Pop-Olymp. Zurzeit ist die Band aus Hamburg auf Tour, um ihr aktuelles Album „Immer in Bewegung“ vorzustellen. Wir sprachen mit Sänger Johannes Strate über seine Kindheit im Künstlerdorf, sein Leben in Bewegung und seinen Job als Coach in einer Castingshow.

Sie hatten während der aktuellen Revolverheld-Tournee schon Auftritte in Osterreich und im italienischen Südtirol. Ist das Publikum dort genauso enthusiastisch wie hier?

Ja, für uns funktioniert es dort gut. Es freut mich, immerhin ist Südtirol das weitest entfernte Ausland für eine Band, die deutsche Texte singt.

Sie präsentieren Ihr aktuelles Album mit dem Titel „Immer in Bewegung“. Ist das für Sie eine positive oder eine negative Aussage?

Sowohl als auch. Unsere Generation ist ja flexibler im Denken als beispielsweise die unserer Eltern. Die haben studiert, eine Ausbildung gemacht, einen Job bekommen, den sie dann ihr Leben lang durchgezogen haben. Das ist heute anders: Heute wechselt man öfter mal den Job, zieht in eine andere Stadt, denkt komplett um.

Wenn höhere Flexibilität und Mobilität der positive Aspekt ist, welcher ist der negative?

Dass man hektisch und getrieben ist, ständig zu tun hat. Man hat keine Zeit, sich mal locker zu machen. Immerzu das Smartphon in der Hand. Morgens steht man auf und checkt als erstes die Mails…

Sie sind in Worpswede aufgewachsen, einem Ort bei Bremen, der als Künstlerkolonie bekannt wurde. Hat Sie diese Umgebung geprägt?

Natürlich. In meinem Elternhaus gingen ständig Maler und Musiker ein und aus. Wenn ich Besuch von Kindern aus Nachbarorten hatte, fragten die: Warum sitzt da hinten mitten im Feld ein Mann und malt? Das Haus, in dem wir wohnten, war eine alte Künstlervilla, in der es öffentliche Führungen gab. Am Wochenende fielen Busse voller Touristen ein, die sich den Ort angeschaut haben.

Ihre Eltern waren ebenfalls Künstler?

Richtig, sie sind beide Musiker, mein Vater auch Kunstlehrer. Sie haben mir, als wir unsere Band gegründet haben, keine Steine in den Weg gelegt.

Wer ist in Ihrer Band denn für die Songs zuständig?

Meistens setzte ich mich mit Kris, also unserem Gitarristen Kristoffer Hünecke zusammen, wir sammeln Ideen. Mit der Band spielen wir das dann im Proberaum, basteln zusammen daran herum und schmeißen das Ergebnis schließlich in einen Pott. Von dem, was wir da sammeln, landet vieles im Müll, einiges kommt dann aber auch aufs nächste Album.

Da findet man dann Lieder wie „Sommer in Schweden“. Sind solche Texte autobiografisch?

Klar, viele unserer Songs spiegeln das wider, was wir tun oder schon mal getan haben. Ich bin früher öfter in Skandinavien gewesen, bin als junger Mann dahingetrampt. Manchmal gönnen wir uns bei den Texten aber auch ein Quantum künstlerische Freiheit.

Bevor Sie 2013 Ihr letztes Album veröffentlichten, haben Sie den Titelsong zum Gratis-Downloaden bei iTunes eingestellt. Warum?

Wir hatten so viele Anfragen bekommen, wann denn endlich unser nächstes Album herauskommt. Das war aber noch nicht fertig. Daher dachten wir uns: Wir sind jetzt schon seit über zehn Jahren als Revolverheld unterwegs, also schenken wir unseren Fans einen Song, um die Vorfreude auf das Album zu versüßen.

In diesem Jahr haben Sie als Coach bei „The Voice Kids“ mitgemacht. Sind Sie ein Fan von Castinghows?

Generell finde ich solche Shows schrecklich, die Qualität unterirdisch. Aber seit es „The Voice“ gibt, sehe ich das differenzierter. Da sind großartige Künstler involviert, die Teilnehmer werden mit Respekt behandelt. Ich habe mir sowohl die Erwachsenen- als auch die Kinderstaffeln im Fernsehen angeschaut und als ich gefragt wurde, ob ich da Coach werden möchte, habe ich gesagt: Ja, das ist eine Art von Show, die zu mir passt, da habe ich Lust drauf.

Zuschauer, die ein Konzert im Rahmen Ihrer aktuellen Tour gesehen haben, berichten davon, dass Sie während des Konzerts viel „in Bewegung“ sind, also auch mal die Bühne verlassen...

Das ist richtig, aber davon erzähle ich jetzt nichts, das soll eine Überraschung für die Fans sein!

Revolverheld live: 20. November, Halle, Gerry Weber Event Center (ausverkauft),

2. Dezember, Lingen, Emslandarena


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