Nur ein Fan-Artikel? Lorde-Soundtrack: Tribute von Panem – Mockingjay 1 OST

Von Daniel Benedict


Berlin. Lorde hat den Soundtrack zu „Tribute von Panem: Mockingjay 1“ zusammengestellt. Sind die Songs von Lorde, Bat for Lashes, Chvrches, Raury und Grace Jones mehr als ein Fanartikel?

Am Mittwoch startet mit „Tribute von Panem: Mockingjay 1“ der vorletzte Film nach Suzanne Collins „Tribute“-Trilogie. Den Soundtrack hat Lorde zusammengestellt, mit eigenen Songs und Nummern von Bat for Lashes, Chvrches, Raury und Grace Jones. Ist er mehr als Werbung für den Film?

Ist der „Tribute“-Soundtrack bloßes Marketing?

Natürlich! Der eigentliche Score – also die orchestrale Musik, die in „Tribute von Panem: Mockingjay 1“ auch zu hören ist – hat James Newton Howard komponiert. Das Soundtrack-Album ist nicht Teil des Film, sondern eine Ergänzung. Mit dem einzigen Zweck, dass die Universal Studios und die Universal Music Group gemeinschaftlich noch ein bisschen mehr Geld an der Marke „Tribute von Panem“ verdienen. Trotzdem: Das Album verlängert den Spaß am Film. (Weiterlesen: Zwei Filme sind einer zuviel für den Schlussband! Zur Kritik von „Tribute von Panem: Mockingjay 1“)

Mockingjay OST: Lorde statt Dubstep

„Mockingjay 1“ ist der erste Kriegsfilm im „Tribute von Panem“-Franchise. Katniss Everdeens Heimatdistrik ist ein ausgebranntes Massengrab; das Kapitol treibt die Rebellen mit Luftangriffen in unterirdische Bunker, Katniss stellt sich den Kampfjets mit Pfeil und Bogen. Wie setzt man das militärische Setting der „Tribute von Panem“ in Musik um? Mit wütendem Metal? Mit Dubstep-Aggressionen? Der Soundtrack zu „Mockingjay 1“ ist weit davon entfernt. Grobe Töne liefern die Chemical Brothers erst im vorletzten Song des Original Motion Picture Soundtrack (OST). Bis dahin dominieren Clubsounds und – Balladen! (Weiterlesen: Was taugt der Coldplay-Soundtrack zu „Tribute von Panem: Catching Fire“?)

Wer ist auf dem „Mockingjay 1“-Soundtrack?

Auf dem CD-Cover wird Lorde als „Executive Music Producer and Soundtrack Curator“ geführt. Demnach ist sie nicht nur für ihre zwei eigenen Songs zuständig, sondern auch für die Auswahl der Bands, die Songs zum „Tribute von Panem: Mockingjay OST“ beitragen: Bat for Lashes, Chvrches, Charli XCX, Raury, Tinashe zum Beispiel. Und Stromae, in dessen Opener „Meltdown“ Lorde auch selbst zu hören ist. Mit Grace Jones ist auch die Ahnherrin der Film-Amazonen vertreten.

Lorde besingt die Tribute? Plausibel!

Wenn die Tribute-Produzenten gerade der Neuseeländering Lorde den Mockingjay-Soundtrack anvertrauen, betonen sie statt der Geschichte die Hauptfigur. Lorde ist gerade 18 geworden; 2013 zählte die „Times“ sie zu den einflussreichsten Teenagern der Welt. Eine gute Vorraussetzung, um sich in Katniss einzufühlen. Lorde betont in ihrer Songauswahl nicht die politische Erzählung von „Mockingjay 1“, sondern den Liebeskonflikt zwischen Katniss und Peeta Mellark: Als Gefangener, womöglich Verbündeter des Kapitols steht er auf der Seite von Katniss‘ Feinden. Und so wie sie in „Tribute 1 und 2“ in seinen Gefühlen immer nur Strategie wittern musste, wird nun ihre Strategie vom Gefühl konterkariert. Eine Konstellation aus Sehnsucht und innerer Zerrissenheit, die das „Mockingjay“-Album widerspiegelt. (Weiterlesen: So verteidigt eine Schülerin die „Tribute“ gegen den Verriss von Teil 1)

Kommt gar kein Soundtrack-Song im Film vor?

Doch! Zumindest Abspann läuft Lordes eigener „Tribute“-Song „Yellow Flicker Beat“. Die Nummer erzählt von der Selbstermächtigung einer jungen Frau, die einstmals herumkommandiert wurde – bis sie sich als Marmorprinzessin mit Rubinblut und loderndem Herzen neu erfunden hat. Lordes herausfordernde Herablassung beschwört wunderbar die Attitüde der Kämpfer-Katniss im Flammenkleid. Auf dem „Mockingjay 1“-Soundtrack ist der Song gleich zweimal zu hören. In der Originalversion und überarbeitet von Kanye West. (Weiterlesen: Wieso die „Tribute“ besser als „Twilight“ oder „Divergent“ sind.)