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Präsentation in Berliner Szenelokal „Dauernd Jetzt“ von Herbert Grönemeyer: Es rockt

Von Ralf Döring

Ziemlich entspannt scheint Herbert Grönemeyer derzeit zu sein. Man hört es seinem neuen Album „Dauernd Jetzt“ an. Foto: Ali KepenekZiemlich entspannt scheint Herbert Grönemeyer derzeit zu sein. Man hört es seinem neuen Album „Dauernd Jetzt“ an. Foto: Ali Kepenek

Berlin. Das neue Album von Herbert Grönemeyer ist in der Welt. Zumindest eine gute Handvoll Journalisten durfte das Album im Berliner In-Restaurant Grill Royal hören und den Musiker anschließend dazu befragen. Erstes Fazit: „Dauernd Jetzt“ rockt. Wahrscheinlich am meisten live.

Er bellt ein paar Worte heraus wie eh und je. Er zerdehnt Silben, wie eh und je. Und er rockt , vielleicht so gut wie lange nicht mehr. Ein Jahr hat Herbert Grönemeyer an seinem neuen Album „Dauernd Jetzt“ gearbeitet, und herausgekommen ist eine Rock-Scheibe, der man ihr Potenzial für die Tour ab nächsten Mai anhört.

Es geht um Liebe - zu Deutschland und zu Löw

Er singt darauf über Liebe, klar, das ist das Thema schlechthin im Rock ’n‘ Roll. Aber Grönemeyer weiß das zu übertragen: Er hat ein Lied über die Fußball-Nationalmannschaft und ihren Trainer geschrieben („Der Löw“), er singt ein Lied über Deutschland („Unser Land“), und er besingt das Hier und Jetzt („Wunderbare Liebe“). Und in jedem Song ist er die ehrliche Haut, der bodenständige Typ, dem man glaubt, was er sagt, singt, spielt, weil er so echt ist. Und ziemlich entspannt.

Das vermittelt er vor allem im Anschluss an die Albumpräsentation im Berliner Grill Royal, dem Edelrestaurant am Spreeufer. Hier geht George Clooney hin oder Scarlett Johansson und natürlich auch der Noch-Regierende Oberbürgermeister Klaus Wowereit – oder eben Herbert Grönemeyer, um sein neues Album zu präsentieren. Ob sein neues Label da ein Wörtchen mitgesprochen hat? Könnte sein – andererseits ist Grönemeyer ein Musiker, der sich nichts mehr sagen lassen muss, auch nicht von Universal Music. Außerdem: Auch die letzte Album-Präsentation - da war noch EMI verantwortlich - feierte Grönemeyer im großen Stil: Da schipperte er die versammelte Journalie  auf einem Dampfer die Spree lang, passend zum Album-Titel „Schiffsverkehr“.

Demnächst „Faust“ mit Robert Wilson

Jetzt hat er also ins Herz von Berlin geladen, um sein Album vorzustellen. Danach gibt es ein kleines Plauderstündchen, auf dem der Star alle möglichen Fragen zum Wie und Was und Warum seines neuen Albums beantwortet – gut gelaunt, schlagfertig, witzig. Er kündigt ein paar künftige Projekte an: Mit Robert „Bob“ Wilson macht er sich, nach Büchners „Leonce und Lena“, an Goethes „Faust“, und wenn er ein gutes Buch bekommt, will er nicht ausschließen, mal wieder vor der Kamera zu stehen. Über all dem ist er aber ein ernsthafter Mensch, der sich gern und überzeugend in den Dienst der guten Sache stellt. Dass er beim aktuellen „Band Aid“-Song nicht dabei ist, begründet er schlicht und plausibel: Er hatte keine Zeit, „und ich muss auch nicht überall dabei sein“.

„Streaming ist noch nicht ausgereift“

In einer anderen Frage hat er zwar noch keine Lösung, aber immerhin die Problemlage benannt: Beim Musik-Streaming sieht er dringenden Handlungsbedarf. „Das ist noch nicht ausgereift“, sagt Grönemeyer. Schon im Vorfeld seiner neuen CD hatte Grönemeyer angekündigt, das Album werde sicher nicht bei Streamingdiensten zu finden sein, einfach, um die Wertigkeit von Musik neu zu vermitteln. Nicht nur seinetwegen, sondern wegen der jungen Musiker, die sich eben auch viel Arbeit machen. Vor einigen Wochen hat er U2-Sänger Bono scharf kritisiert, weil das neue Album der irischen Band an iTunes-Nutzer verschenkt worden war. Mittlerweile habe man sich ausgesprochen; die beiden sind ja gut befreundet, und Bono hat wohl eingestanden, dass da nicht alles richtig war .