Ein Bild von Dr. Stefan Lüddemann
19.11.2014, 07:00 Uhr GRABFUND BEFEUERT DIE FANTASIE

Frauen an der Macht: Frühe Hochkultur an der Donau

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Grabfund: Goldkugeln aus dem rekonstruierten Collier der Keltenfürstin. Foto: dpaGrabfund: Goldkugeln aus dem rekonstruierten Collier der Keltenfürstin. Foto: dpa

Osnabrück. War sie wirklich eine Herrscherin? Das Grab einer keltischen Frau regt jedenfalls die Fantasie an. Nicht nur Rom war offenbar eine Hochkultur. Ein Kommentar.

Wer von Hochkulturen hört, denkt an die alten Ägypter, Griechen oder Römer. Aber die Kelten? In der antiken Welt galten sie als Barbaren – gerade bei jenen Völkern, deren Geschichtsschreiber jenes Bild der antiken Historie formten, dem wir heute oft noch anhängen. Das 2010 unweit der Donau entdeckte Grab der Keltenfürstin hält vor allem eine Botschaft bereit: Das Wort von den Barbaren ist dringend zu revidieren.

Das liegt an dem unglaublich fein gearbeiteten Goldschmuck, der sich in dem Grab befand. Und an der erkennbar hohen sozialen Stellung der Frau, die dort offenbar mit Magd und Kind bestattet wurde. Historiker und Archäologen wissen von Keltenfürstinnen. Das Grab verleiht dem Bild von Frauen, die an den Schaltstellen der Macht saßen, nun frische Plastizität. Und das regt die historische Fantasie mächtig an.

Variable Geschlechterrollen sprechen ebenso für eine Hochkultur wie Schmuckstücke, die auf Handelswege nach Italien verweisen. Natürlich müssen Thesen überprüft werden, aber der Grabfund zeigt, dass das Leben unserer Vorfahren komplexer war, als es bislang in den Geschichtsbüchern steht.