Karriere begann im Schauspielhaus Herbert Grönemeyer: Mit „Männer“ vom „Boot“ auf die Rock-Bühne

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Berlin. Am heutigen Dienstag stellt Herbert Grönemeyer sein neues Album „Dauernd Jetzt“ vor. Es ist, die englischen Versionen von „Luxus“ und „Chaos“ nicht gerechnet, sein 19. Opus. Ab Freitag ist es im Handel, nächstes Jahr folgt die Tour dazu. Vorher blicken wir aber zurück, auf eine der größten Karrieren im deutschen Rock-Business.

Sucht man in der Karriere von Herbert Grönemeyer nach wichtigen Wegbegleitern, fällt auf: Es tauchen kaum Musikernamen auf. Stattdessen spielen Regisseure in Grönemeyers Karriere eine wichtige Rolle. Das begann bereits in Bochum: Als Schüler hatte er sich am Schauspielhaus als Bühnenmusiker und -komponist beworben. Doch Peter Zadek, der damalige Intendant, holte Herbert auf die Bühne. Nicht nur in Bochum: Grönemeyer spielte, meist unter Zadeks Regie, im Schauspielhaus Hamburg, im Staatstheater Stuttgart, an der Volksbühne Berlin.

Nun erreichte das Theater in den Siebzigern nicht das breite Massenpublikum. Wer berühmt werden wollte, musste ein anderes Medium nutzen: Den Film. Auch da arbeitete Grönemeyer mit den Big Names zusammen: Wolfgang Petersen landete mit „Das Boot“ einen Mega-Erfolg und mit ihm Herbert Grönemeyer. Ein Jahr später, 1982, spielte Grönemeyer neben Nastassja Kinski in Peter Schamonis „Frühlingssinfonie“ den Komponisten Robert Schumann.

Und die Musik? Mit seinen ersten LPs erzielte er allenfalls Achtungserfolge, etwa 1982 mit seiner melancholisch-humorvollen Hommage an die „Currywurst“. Aber immerhin war er selbstbewusst genug, schon die erste Platte ganz selbstbewusst „Grönemeyer“ zu nennen. 1978 war das; er war da 22 Jahre alt.

Als Musiker startete er sechs Jahre später durch: 1984 kam „4630 Bochum“ heraus. Er sang da von der ergebnisloser Parkplatzsuche, von „Alkohol“ - und er sang über „Männer“, die ihn in die Öffentlichkeit katapultierten. Später wünschte er „Kinder an die Macht“, er sang von einer Frau, die Musik nur mag, wenn sie laut ist, er schaffte es mit „Mensch“, der Single-Auskoppelung zum gleichnamigen Album, 2002 auf Platz 1 der Charts.

Lange Zeit konzentrierte sich Grönemeyer auf seine Musikerkarriere. Aber 2003 kehrte er zurück ins Theater, allerdings als Komponist. Wieder arbeitete er mit den Großen des Geschäfts zusammen: Für Robert Wilson schrieb er die Bühnenmusik zu „Leonce und Lena“, und 2010 komponierte er die Begleitmusik für George Clooney im Agententhriller „The American“.

Dabei wurde und wird Grönemeyer keineswegs einhellig Zustimmung zuteil. Wer seinen Knödelgesang parodiert, hat die Lacher sicher auf seiner Seite, und mitunter attestieren Kritiker seinen Texten eine gewisse Überkorrektheit.

Auf der anderen Seite hat er sich für Entwicklungshilfe und den Schuldenerlass für die ärmsten der armen Länder engagiert. Und er hat immer ein Herz für den Nachwuchs bewiesen: Sein „Grönland“-Label hat er unter anderem gegründet, um junge Musiker wie Philipp Poisel zu fördern. Denn bei allem Erfolg hat Grönemeyer nicht vergessen, wie schwer es ist, sich auf dem Musikmarkt zu behaupten, ja nur sein Leben zu fristen.

Deswegen hat er auch seinen Freund Bono von U2 scharf kritisiert , als der sein neues Album an iTunes-Nutzer verschenkte. Das sei „respektlos gegenüber hart arbeitenden Kollegen“, hatte Grönemeyer dazu gesagt. Statt Musik zu verschenken oder via Streaming zu verramschen, kämpft er dafür, ihr wieder den angemessenen Stellenwert zu verschaffen – der sich auch in monetärem Wert ausdrückt. Deshalb wird sein neues Album nicht im Netz gestreamt werden, hat er gegenüber der „Welt“ bereits angekündigt.


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