Entdecker junger Talente Leiter der Donaueschinger Musiktage Armin Köhler gestorben

Von Elisabeth Schwind

Armin Köhler 
              
              Foto: dpaArmin Köhler Foto: dpa

Donaueschingen. Der aus Dresden stammende Musiker und Musikwissenschaftler Armin Köhler hat mehr als 20 Jahre lang die Donaueschinger Musiktage verantwortet. Am Sonntag ist der 62-Jährige gestorben.

Bei den Donaueschinger Musiktagen vor vier Wochen konnte er schon nicht mehr selbst dabei sein. Armin Köhler, künstlerischer Leiter des wichtigsten Festivals für Neue Musik , war schwer erkrankt. In der Nacht auf Sonntag ist Köhler mit 62 Jahren seiner Krebskrankheit erlegen.

Für die Donaueschinger Musiktage und die Neue Musik ist sein Tod ein herber Verlust. Junge Talente wie zum Beispiel die Komponistin Jennifer Walshe oder Simon Steen-Andersen hat Köhler entdeckt und gefördert. Beide waren auch in diesem Jahr mit aufsehenerregenden Uraufführungen bei den Musiktagen vertreten. Andersens lapidar „Piano Concerto“ betiteltes Stück, das akustische und visuelle Aufnahmen eines Flügesturzes aus acht Meter Höhe spektakulär verarbeitet, wurde schließlich mit dem Orchesterpreis des SWR-Sinfonieorchesters ausgezeichnet. Dass solche Stücke in Donaueschingen möglich geworden sind, ist Köhlers Verdienst. Denn er öffnete die Neue Musik für andere Medien und Künste und holte sie aus dem viel gefürchteten Elfenbeinturm. Als Quintessenz dieser Bemühungen kann man das Programm der vergangenen Musiktage sehen, das unter dem Motto „und+“ Komponisten und Komponistinnen eingeladen hatte, die nicht nur komponieren, sondern auch bildnerisch arbeiten oder schreiben. Erstmals gab es sogar eine Ausstellung zu sehen.

Der 1952 geborene Armin Köhler kam aus dem Osten. In Dresden hatte er Posaune studiert und als Posaunist gearbeitet, um anschließend in Leipzig Musikwissenschaft zu studieren. 1992 wurde er Redaktionsleiter Neue Musik beim SWR, und als solcher übernahm er die Leitung der Donaueschinger Musiktage . Schon bald führte er die Klanginstallation auf dem Festival ein. Diese im Grenzbereich zwischen Musik, Bildender Kunst und Skulptur angesiedelte Form ist häufig für den öffentlichen Raum entwickelt und für jedermann zugänglich.

Und in den letzten Jahren gab er dem Uraufführungsfestival immer konzisere dramaturgische Konzepte, ließ mal dieselben Stücke von verschiedenen Ensembles spielen oder griff in der Neuen Musik lange Zeit tabuisierte Themen auf. Für hiesige Radiohörer mag der breite Dresdner Dialekt des Radiomachers Köhler gewöhnungsbedürftig gewesen sein. Ein Alleinstellungsmerkmal war er in jedem Fall. Unvergessen ist seine vielteilige Reihe „Erlebte Geschichte“, für die Köhler ausführliche Interviews mit rund 40 Komponisten und Komponistinnen geführt hatte. Teilweise waren es letzte umfassende Rückblicke auf ein Lebenswerk: Karlheinz Stockhausen etwa, Mauricio Kagel, György Ligeti oder Elliott Carter sind inzwischen verstorben. Köhler hat sie uns in der „Erlebten Geschichte“ noch einmal nahe gebracht. Nun ist er ihnen selbst nachgefolgt.