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16.11.2014, 17:53 Uhr KEIN MUT ZUR PROVOKATION

Bayreuth trennt sich von Meese

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Einfach zu wild für Bayreuth? Der Künstler Jonathan Meese führt am 26.06.2013 im Nationaltheater Mannheim (Baden-Württemberg) das Stück „Generaltanz den Erzschiller“ auf. Weil er den verbotenen Hitlergruß gezeigt hat, stand er 2013 in Kassel vor Gericht. Foto: dpaEinfach zu wild für Bayreuth? Der Künstler Jonathan Meese führt am 26.06.2013 im Nationaltheater Mannheim (Baden-Württemberg) das Stück „Generaltanz den Erzschiller“ auf. Weil er den verbotenen Hitlergruß gezeigt hat, stand er 2013 in Kassel vor Gericht. Foto: dpa

Osnabrück. Wer Jonathan Meese bucht, weiß, was er bekommt: Provokation. Bayreuth war das zuviel. Die Festspiele luden den wilden Künstler wieder aus. Ein Kommentar.

Wagner und Meese: Das klang von Anfang an verrückt. Aber aus der Kombination zweier Künstlerpersönlichkeiten zwischen Genie und Größenwahn hätten sich Funken schlagen lassen können. Das hätte vor allem Bayreuth gutgetan. Der Weihehügel sucht nach kreativen Impulsen für ein Repertoire, das immer das gleiche bleibt. Ob Meeses Ideen doch zu provokant waren?

Das Argument vom gesprengten Kostenrahmen wirkt jedenfalls allzu vorgeschoben. Die Differenzen werden auf anderen Feldern gelegen haben. Vor allem müssen sie schon in einem frühen Stadium der Zusammenarbeit als unüberbrückbar angesehen worden sein. Schließlich hat Katharina Wagner das Engagement Meeses lange vor dem Premierentermin beendet. Wagner hat in Meese wohl doch eher ein Risiko als eine Bereicherung gesehen.

Dass Meese kein gelernter Opernregisseur ist, war von Anfang an klar. Sein provozierend freizügiger Umgang mit Hitler-Gruß und sonstiger NS-Symbolik ist ebenfalls bekannt. Woran lag es also – an mangelnder Courage oder daran, dass Meeses Ideen für „Parsifal“ schlicht zu dünn waren? Gleichviel. Meeses Bayreuther Experiment wäre extrem ausgefallen – als Triumph oder Fiasko.