Liam Neeson im Interview „Ruhet in Frieden“: Liam Neeson in Serienkiller-Krimi

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Berlin. Im Thriller „Ruhet in Frieden“ hilft Liam Neeson einem Drogenboss, die Mörder seiner Frau zu finden. Im Interview berichtet der Ire von der Faszination am dunklen Stoff – und erklärt, warum er keine Serien drehen will.

Der Name auf einem Filmplakat kann über den Erfolg von Großproduktionen entscheiden, die Zugkraft von Filmstars wird in Einspielmillionen gemessen. Behindert die Verantwortung für so viel Geld Liam Neesons künstlerische Arbeit? „Ich nehme sie sehr ernst“, antwortet der 62-Jährige: „Aber letztendlich muss ich mir vor jedem Dreh sagen: Wenn ich nicht gut genug wäre, hätten sie einen anderen genommen. Das hier muss reichen“, sagt er und weist mit beiden Händen auf sich selbst.

Warum es reicht, macht die Geste unmittelbar deutlich: Auch sitzend wirkt der 1,93-Meter-Ire gewaltig, der Nasenbein-Bruch aus seiner Zeit als Jugendboxmeister zeugt bis heute von seiner Schlagkraft . Zugleich unterläuft er seine bedrohliche Erscheinung mit meditativer Ruhe und dem freundlichen Blick, der das wacklige Englisch der kleinen Journalistenrunde vor ihm entschuldigt.

Diese Ambivalenz empfahl Neeson für die Rolle als Oskar Schindler genauso wie für die als Star-Wars-Jedi-Meister Qui-Gon Jinn. Sie lässt ihn Arthouse und Action gleichermaßen meistern, und sie prägt auch seine Rolle im Thriller „Ruhet in Frieden“.

Neeson als Privatdetektiv

Neeson spielt hier Matt Scudder, einen Ex-Polizisten, der vor Jahren unter Alkoholeinfluss ein Kind getötet hat. Seitdem ist er trocken und arbeitet als Privatdetektiv für dubiose Auftraggeber. Wie ordnet Neeson sein Interesse für eine solche gebrochene Figur ein? „Ich denke, das geht auf die ikonografischen Figuren der Filmgeschichte zurück, die jeder liebt“, sagt er. „Auf all die einsamen Wölfe, die sich gegen das System auflehnen und die sich auch in Grauzonen ihren moralischen Kompass bewahren.“

Nach dem Actionthriller „Non-Stop“ spielt er damit gleich noch einen Trinker. Die Treffen der Anonymen Alkoholiker werden in „Ruhet in Frieden“ sogar in zentrale Handlungsstränge eingeflochten. Neeson : „Ich habe einige Meetings besucht. Und ich fand es sehr berührend, wie diese Menschen dort ihre Geschichte erzählen. Darüber, was wegen der Sucht in ihrem Leben passiert ist, in ihren Familien. Und wie der ganze Raum das versteht, weil sie eine ähnliche Reise hinter sich haben.“

Neesons Figur Matt Scudder ist der Protagonist etlicher Romane Scott Franks. Hofft der Schauspieler auf einen finanziellen Erfolg, der Fortsetzungen garantiert? „Ich denke nicht darüber nach. ,Ruhet in Frieden‘ ist nicht sehr marktgängig, superdunkel, illusionslos, er verbeugt sich vor den Filmen der 70er. Vielleicht erreicht er eine bestimmte Zielgruppe, vielleicht nicht.“

Eine Herzensangelegenheit

Martin Scorsese, mit dem Neeson demnächst eine Geschichte jesuitischer Missionare des 17. Jahrhunderts dreht, gliedert seine Arbeit in persönliche Filme und Filme fürs Hollywoodstudio. Sieht Neeson es genauso, wenn er einen Gastauftritt in „Ted 2“ übernimmt oder in Actionkrachern wie dem „A-Team“ auftritt? „Früher war es vielleicht so“, sagt er und erinnert an Clint Eastwood, der den letzten „Dirty Harry“ nur drehte, um den Jazzfilm „Bird“ zu finanzieren. „Burt Lancaster hat dazu gesagt, dass er mit Haar spielt, wenn es fürs Studio ist. Wenn er in Europa drehte, für Visconti oder so, hat er das Toupet weggelassen. Ich weiß nicht, ob das alles heute noch stimmt.“ Er definiert die Arbeit am Set auch in Blockbustern als Herzensangelegenheit: „Zwischen den Wörtern Action und Cut ist es Leidenschaft.“

Neesons Ko-Star in „Ruhet in Frieden“ ist Dan Stevens, der mit einer Serie berühmt wurde: „Downton Abbey“. Tatsächlich werden Qualitätsserien immer öfter als die neue Großerzählung der Gegenwart gehandelt – so wie der Roman es für das 19. Jahrhundert war. „Downton Abbey“ hat Neeson nicht gesehen, dafür lobt er das vorzügliche Buch und Schauspiel der Serie „Fargo“. „Ich verstehe gut, wie anziehend das für einen Autor ist, der über volle zehn Stunden einen sehr raffinierten Stoff entwickeln kann, für sehr komplexe Figuren. Im Kino hat er nur zwei Stunden. Natürlich sind Serien für Schreiber verlockend.“ Für Schauspieler nicht? Neeson winkt ab und verweist auf das „wirklich harte Arbeitspensum“ bei einer solchen Produktion. „Wenn man sich so einem Projekt verschreibt, dann muss man es wirklich mit Leib und Seele tun.“ Und außerdem, so der Filmschauspieler: „Ich bin ein Snob.“


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