Lust an Provokationsspitzen Oliver Polak im Haus der Jugend

Von Uta Biestmann-Kotte

Das „jüdisch“ hat er durchgestrichen: Oliver Polak im Haus der Jugend. Foto: Swaantje HehmannDas „jüdisch“ hat er durchgestrichen: Oliver Polak im Haus der Jugend. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Am Mittwoch las der im emsländischen Papenburg aufgewachsene jüdische Comedian Oliver Polak im Haus der Jugend aus seinem Buch „Der jüdische Patient“.

Diesmal bleibt der Stand-up-Comedian am Tisch sitzen. „Depression, Deutschland und Humor – gute Kombi, wie?“ Mit der ihm eigenen direkt-provokativen Art legt Oliver Polak die Schwerpunkte des Abends fest. Am Mittwoch las der im emsländischen Papenburg aufgewachsene jüdische Comedian im Haus der Jugend aus seinem Buch „Der jüdische Patient“.

Darin lässt er ebenso mutig wie ehrlich seine Depressionserkrankung samt achtwöchigem Psychiatrie-Aufenthalt Revue passieren. Und schonte dabei weder sich selbst noch seine Zuhörerschaft, die er tief in seine Psyche blicken ließ.

So schilderte Polak eindringlich, wie er, von Selbsthass, Gewichtszunahme und falscher Medikation aufgerieben, kaum noch seine Berliner Wohnung verlassen kann, sich schließlich selber in die Psychiatrie einweist. Das alles erzählte der Mann im Jogginganzug im Rasant-Stil einer atemlosen Reportage, in der er weder Panik- und Kotzattacken noch seine „Gedankenexplosion“ aussparte: „[...] was soll ich meiner Mutter sagen, ohne dass sie denkt, dass ich ein Schwächling bin, was sage ich Papa, ohne dass er sich Sorgen macht [...]?“

Ein Auftritt beim „Quatsch Comedy Club“ im Friedrichstadtpalast wird „Patient Polak“ von ärztlicher Seite als „Belastungsprobe“ gestattet – wobei er sich unter den Komikern fehl am Platz fühlt, die lieber gemocht werden wollen, als komisch zu sein. Dass er Deutschland als „Comedy-KZ“ bezeichnet, gehörte denn auch zu Polaks bewusst eingesetzten Provokationsspitzen.

Neben Passagen über seine Mutter, die es von St. Petersburg nach Papenburg verschlagen hatte und vom Sohn als Katzen liebende, extrem dominante Dame beschrieben wird, nahm Polak auch die emsländischen Jagdfreuden aufs Korn.

Sehr amüsant schilderte er einen Jagdausflug mit dem Vater seiner Schulfreundin Leonie, der den verängstigten Achtjährigen nötigte, einen erlegten Hasen zu schleppen.

In einem anderen Auszug erklärt sich Polak bereit, für den Videodreh eines Freundes im Hitler-Look aufzutreten. Dass er in dieser Aufmachung anschließend seine Freundin Sunny vom Flughafen abholt, ließ einmal mehr Polaks Sinn für grotesken Humor erkennen, der gerne auch mal ins Provokante umschlägt.

Dazu passt, dass auf dem Buchcover von Polaks „jüdischem Patienten“ das Wort „jüdisch“ durchgestrichen ist. Oder um auch aufzuzeigen, dass hier vor allem der Patient im Vordergrund steht. Der Patient Polak.

Oliver Polak. „Der jüdische Patient“. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014. 236 Seiten. 9,99 Euro.