Von Kurzfilmen zu Stahlwänden Richard Serra – das Leben eines Künstlers

Von Rebecca Balkenhohl


Osnabrück. „Im Grunde möchte ich Skulpturen machen, die für eine neue Art von Erfahrung stehen, die Möglichkeiten von Skulptur eröffnen, die es so bislang nicht gab.“ Angefangen als Student an renommierten Universitäten Amerikas verwirklichte Richard Serra sich als Künstler und Bildhauer. Von Filmen über Konstruktionen aus Gummi und Blei bis hin zu Stahlkonstruktionen – seine Werke beeindrucken, nicht nur, was die Größe betrifft. Hier folgen die wichtigsten Daten zu Leben und Werk.

  • 1939 ¨– Richard Serra wird am 02. November in San Francisco geboren.
  • 1957 bis 1961 – Er absolviert sein Bachelor Studium im Fach englische Literatur. In seiner Studienzeit arbeitet Serra in einem Stahlwerk, wo er mit dem Material erstmals in Berührung kommt und wertvolle Erfahrungen in der Be- und Verarbeitung des Werkstoffes sammelt.
  • 1961 bis 1964 – Erneut absolviert Serra ein Studium. Dieses Mal im Fach Kunst. Währenddessen assistiert er dem deutschen Emigranten, Maler und Kunsttheoretiker Josef Albers, mit dem er auch an dem Buch „The Interaction of Color“ zusammenarbeitet. Schließlich erreicht er sowohl seinen Bachelor als auch den Master of Fine Arts.
  • Während eines einjährigen Reisestipendiums in Paris 1964 befasst sich Richard Serra mit den neuen Medien Film und Video und kommt mit der Strömung des Minimalismus in Berührung.
  • 1965 – Er heiratet seine Kommilitonin Nancy Graves.
  • 1966 – Ein weiteres Stipendium ermöglicht ihm ein Auslandsjahr in Florenz. Er präsentiert in Rom seine erste Einzelausstellung „Animal Habitats“. Anschließend reist er nach Spanien und Nordafrika.
  • 1968 – Nach seinem Umzug nach New York arbeitet er sowohl mit verschiedenen Musikern als auch mit Künstlern wie Eva Hesse, Donald Judd, Robert Smithson und Carl Andre zusammen. Seinen Unterhalt verdient er sich währenddessen als Möbelpacker. Es entstanden zahlreiche Werke aus Gummi und Neonröhren und auch sogenannte Scatter Pieces. Serra versucht sich mit den künstlerischen Formen des Films zu perfektionieren. Es entstand unter anderem sein Kurzfilm „hand catching lead“. Von 1968 bis 1970 experimentiert Serra außerdem mit geschmolzenem Blei, das er zwischen Wand und Boden wirft oder gießt.
  • 1970 bis 1980 – In Japan setzt er sich mit der Geometrie der Plätze und der Anlage an sich auseinander. Seine früheren Werke, die vorwiegend aus Materialien wie Gummi und Blei bestehen, werden langsam gegen größere Plastiken aus Stahl ausgetauscht. Es entstehen Skulpturen wie „Circuit“ und „Terminal“ für die Documenta 5 und 6 in Kassel. Das Werk „Terminal“ gilt als das Wahrzeichen der Documenta 6.
  • 1981 – Serra heiratet Clara Weyergraf, mit der er den Film „Steelmill/Stahlwerk“ in der Hinrichshütte in Hattingen drehte.
  • 1989 – Sein Werk „tilted Arc“, welches auf dem „Federal Plaza“ in New York errichtet wurde, muss aufgrund von kontroversen Diskussionen und Protestaktionen gegen das 37 Meter lange und drei Meter hohe Gebilde, wieder entfernt werden.
  • 1980 bis heute – Es entstehen diverse Großskulpturen aus Stahl wie beispielsweise der „Viewpoint“ in Dillingen, die Skulptur „Axis“ in Bielefeld, die „Berlin curves“ in Berlin, die „Bramme für das Ruhrgebiet“ in Essen und die „Promenade“ in Paris . Auch der Entwurf des Berliner Holocaust Mahnmals stammt von Serra. Seine beiden neuesten Werke wurden in Katar errichtet. Dabei handelt es sich um die Skulptur „7“, welche aus sieben Stahlplatten besteht, die auf die symbolische Bedeutung der Zahl sieben in der islamischen Kultur anspielt. Die zweite Skulptur Serras im Nahen Osten hat der Künstler „East-West/West-East“ genannt. Diese besteht aus vier Stahlplatten , die auf einer Strecke von einem Kilometer in der Wüste Katars in die Höhe ragen.