Ein Bild von Dr. Stefan Lüddemann
06.11.2014, 23:00 Uhr

Mediale Inszenierung

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Im Brennpunkt der Kontroversen: Günter Grass. Foto: dpaIm Brennpunkt der Kontroversen: Günter Grass. Foto: dpa

Osnabrück. Die Kontroverse um Grass´“Ein weites Feld“ hat Geschichte geschrieben. Sie hat den Literaturbetrieb verändert - als Medienereignis. Ein Kommentar.

Erst der Kraftakt, dann der Niedergang: Nie war Literaturkritik so angriffslustig wie in dem Augenblick, in dem Marcel Reich-Ranicki den Grass-Roman „Ein weites Feld“ auf dem Titel des „Spiegels“ zerriss. Aber seitdem hat sie an Virulenz verloren. Protagonisten wie Reich-Ranicki gibt es nicht mehr, auch wenn Dennis Scheck misslungene Bücher munter in die Tonne wirft. Die Szene ist zerfasert, die Luft ist raus.

Die Debatte um „Ein weites Feld“ ist noch ein Printereignis. Immerhin reflektieren die Kritiker auch die Mechanismen ihres eigenen Betriebes so genau wie niemals zuvor. Nicht nur ein Roman kommt in den Blick, auch die Kritik wird neu sichtbar: als mediale Inszenierung mit eigener Spannungskurve. Die Kritik avanciert zu ihrem eigenen Ereignis: Dies ist die wichtigste Lehre aus der rabiat geführten Debatte um „Ein weites Feld“.