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24.10.2014, 10:19 Uhr KOMMENTAR

Streit um Nuhr: Wie weit darf Satire gehen?

Ein Kommentar von Rainer Lahmann-Lammert


„Nu(h)r Lügen!“ unterstellt Erhat Toka dem Kabarettisten Dieter Nuhr. Foto: Elvira Parton„Nu(h)r Lügen!“ unterstellt Erhat Toka dem Kabarettisten Dieter Nuhr. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Was Satire kann, wissen wir spätestens seit dem Streit um die Mohammed-Karikaturen. Was Satire darf, hat Kurt Tucholsky prägnant für alle Zeiten formuliert: Alles! Der islamkritische Politologe Hamed Abdel-Samad fasst es präziser: Zur Demokratie gehöre das Recht auf Kritik, Satire und sogar Beleidigung.

Mit so viel Freiheit hat sich schon die Kirche schwergetan. Heute sind es vornehmlich muslimische Kreise, die nach dem Staat rufen, um religionskritischen Lästermäulern Einhalt zu gebieten. Aber dieser Ruf passt nicht in eine säkulare Gesellschaft. Gläubige müssen es aushalten können, wenn sie und ihre Ideale durch den Kakao gezogen werden.

Da stellt sich auch nicht die Frage, ob ein Satiriker wie Dieter Nuhr lügt. Er sollte das dürfen, ohne dass bei ihm der Staatsanwalt auf der Matte steht. Wer will sich da zum Hüter der alleinigen Wahrheit aufschwingen? Nuhr darf sich auch irren – zum Beispiel, wenn er behauptet, der Islam habe sich immer nur dann tolerant gezeigt, wenn er keine Macht hatte. Die frühe Maurenzeit in Spanien gilt als gelebtes Miteinander von Christen, Juden und Muslimen. Und Saladin, der 1187 Jerusalem eroberte, ließ die Christen ziehen. So gnädig waren die Kreuzritter nicht.


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