Konzert im Pianohaus Kemp Hopkins-Duo setzt in Osnabrück auf Stride-Piano

Von Jan Kampmeier

Das Duo Chris Hopkins & Bernd Lhotzky ließ im Pianohaus Kemp ihre Finger über die Tasten fliegen. Foto: Elvira PartonDas Duo Chris Hopkins & Bernd Lhotzky ließ im Pianohaus Kemp ihre Finger über die Tasten fliegen. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Zwei Flügel und ihre Hände – mehr hat das Duo Chris Hopkins & Bernd Lhotzky bei ihrem Konzert im Pianohaus Kemp in Osnabrück nicht gebraucht. Auf dem Programm standen vor allem Stücke im Stil der Frühzeit des Jazz: Das Stride-Piano dominierte den Abend.

Stride-Piano nennt sich ein Stil aus dem frühen Jazz, bei dem die linke Hand des Pianisten im Wechsel Bass-Oktaven und Akkorde in der mittleren Lage spielt und dazu in hohem Tempo weite Sprünge bewältigt, während die rechte Hand frei improvisiert. Diese Technik ist recht anspruchsvoll und so speziell, dass selbst geübte Pianisten dafür einigermaßen intensiv trainieren müssen.

Das Duo Chris Hopkins und Bernd Lhotzky hat das ganz offenbar getan, denn bei ihrem Konzert im Pianohaus Kemp bestritten sie einen Großteil ihres Programms mit Stride-Piano-Stücken. Und nicht selten klang das, als würden sie gemütlich über die Tasten schlendern. Natürlich spielten die beiden auch die Stücke der Heroen dieser Stilistik, also zum Beispiel von Willie „The Lion“ Smith, James P. Johnson oder Fats Waller. Aber wie gesagt: Die Improvisation ist beim Stride-Piano besonders wichtig, und so geschieht, wie Chris Hopkins zu Anfang erklärte, vieles an diesem Abend ganz spontan. Nach dem ersten Stück meinte er: „Wir haben nicht viel mehr gewusst, als dass wir in C-Dur anfangen.“ Da rief er seinem Partner beim Spiel „B-flat“ hinüber, um einen Tonartwechsel anzuzeigen, ansonsten verständigten sich die beiden durch Blicke und Gesten, wenn sie sich beim Improvisieren abwechselten. Typisch für das Duo ist der Puls, den sie mit den Füßen deutlich vernehmbar mitklopften.

George Gershwin durfte im Programm des Duos natürlich ebenso wenig fehlen wie Irving Berlin, der angeblich selbst nur in Ges-Dur spielen konnte – eine kaum vorstellbare Anekdote. Und auch eigene Stücke wie „Partners in Crime“ streuten sie zwischendurch ein. Doch selbst bekannte Melodien der Klassik wurden kreativ ausgeschlachtet. Ein Stück, dass einfach zu oft gespielt wurde, so Bernd Lhotzky, sei Beethovens „Für Elise“. Er sei sicher, auch auf all den Klavieren im Pianohaus Kemp werde es häufig ausprobiert. Zusammen mit Chris Hopkins kreuzte er das Thema daher mit „Take Five“: Konsequent im Fünfertakt, geswingt und harmonisch angereichert. „Wir sind froh, dass Beethoven nicht nur tot ist, sondern auch noch taub“, sagte Bernd Lhotzky. Wieso eigentlich? Das ist doch sehr amüsant, und vielleicht hätte ja auch Beethoven seinen Spaß daran gehabt.

Auch den berühmten Ungarischen Tanz Nr. 5 knöpfte sich das Duo vor. Und auch der wurde nicht nur einfach mit Swing gespielt, sondern ausgesprochen originell und sehr frei verjazzt.

Mit der Band „Echoes of Swing“ waren Hopkins und Lhotzky erst vor Kurzem in Meppen zu Gast.


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