Siegerfilm Filmfest Osnabrück: Heiko Pinkowski über „Timbuktu“



Osnabrück. Heiko Pinkowski begründet den Hauptpreis beim Unabhängigen Filmfest Osnabrück für das Islamismus-Drama „Timbuktu“.

„Eigentlich fand ich alle ziemlich großartig“, sagt Heiko Pinkowski über die acht Filme, die für den Friedensfilmpreis der Stadt Osnabrück nominiert waren. Am Ende hat das Islamismus-Drama „Timbuktu“ das Rennen gemacht und den Hauptpreis des Festivals gewonnen, den die Sievert Stiftung für Wissenschaft & Kultur mit 10000 Euro ausstattet.

Kicken ohne Ball

Der bildgewaltige Spielfilm von Abderrahmane Sissako erzählt von der kurzen Besetzung Malis durch Islamisten, vom Verschleierungszwang, dem Verbot von Musik und grausamen Scharia-Strafen. Fußballspiele werden mit der Peitsche geahndet; in einer Schlüsselszene begehrt die Dorfbevölkerung dagegen auf – mit einem pantomimischen Match ohne Ball. „Die Szene war für mich das Größte“, sagt Pinkowksi. „Mich hat fasziniert, wie sensibel der Film das Thema auffasst, ohne gleich zu werten. Gerade beim Stichwort Frieden war ’Timbuktu‘ für uns alle die beste Wahl.“

Mit „Puppe, Icke und der Dicke“ war Pinkowski in Osnabrück schon einmal zu sehen. Spätestens seit dem letzten Filmfest ist er den hiesigen Kinogängern ein fester Begriff. Damals war er in Axel Ranischs „Ich fühl mich Disco“ zu sehen, der als Lieblingsfilm der Zuschauer den Publikumspreis gewann. „Seitdem beschäftige ich mich mit Osnabrück“, sagt der 48-Jährige und stellt den Sichtungsgruppen ein gutes Zeugnis aus: „Ich teile den Geschmack des Festivals.“ Ein Urteil, das sich auf profunde Sachkenntnis stützt: „Ich bin ein großer Festivalgänger. München, Hof, Saarbrücken, Lünen sind für mich gesetzt.“ Sein Hauptanliegen: „Ich möchte tolle Filme entdecken, die jenseits der Festivals untergehen. Das hat auch Osnabrück eingelöst. Die Filme waren für mich alle neu und lohnend.“

Dass der Hauptpreis mit dem Frieden ein inhaltliches Anliegen hat, sieht er als Glücksfall: „Damit hat Osnabrück die Chance, mehr als nur regional relevant zu sein.“ Seine Freude am Programm teilt er diesmal übrigens mit der ganzen Familie: Während des Interviews sitzen Pinkowskis Kinder im Jugendprogramm des Filmfests. Nur seine kroatische „Findelhündin“ Fufu schwänzt die Kunst und döst vor dem Stadtgalerie Café in der Herbstsonne.

Auch als Künstler steht Pinkowski für ein Kino, das auf Festivals baut: Nicht weniger als zwölf Preise großer und kleiner Filmfeste verzeichnet „Dicke Mädchen“, der erste Langfilm, den er mit Axel Ranisch gemacht hat. Mit einem Etat von 517,32 Euro – für Mini-DVs, Schrippen, Taxis und ein Spargelessen.

Drehen ohne Skript

Der Publikumserfolg hat Ranisc, Pinkowski und ihrer Produktionsfirma „Sehr gute Filme“ Türen geöffnet. Das Nachfolgeprojekt „Ich fühl mich Disco“ wurde mit dem ZDF als kleines Fernsehspiel realisiert, genau wie der 2015 kommende Film „Alki Alki“. Das Besondere: Ranisch und Pinkowski arbeiten ohne Drehbuch. „Abgesehen von Andreas Dresen sind wir wahrscheinlich die Einzigen, die nur auf Grundlage eines Treatments vom Fernsehen unterstützt werden.“ Mittlerweile arbeiten sie auch für die Opernbühne – und das auch in Niedersachsen: Zurzeit zeigen Hannover und Hildesheim das gemeinsame Projekt „George“ – mit Heiko Pinkowski als Georg Friedrich Händel.

Preisträger verpasst? Am Mittwoch, 22. Oktober, läuft „Timbuktu“ um 20 Uhr noch einmal in der Lagerhalle.


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